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Oscar und der Autorenstreik

Sonntag, Februar 3rd, 2008

Ehe es völlig in Vergessenheit gerät: Ja, die Drehbuchautoren in USA streiken immer noch. Oder zumindest die meisten. Denn die WGA hat inzwischen eine große Anzahl von individuellen Verträgen mit einzelnen Studios und Produktionsfirmen geschlossen, ganz nach dem Vorbild von Worldwide Pants und United Artists. Die vollständige Liste: The Film Department, Intermedia, RKO Productions Inc, Lionsgate, Marvel Studios, Yari Film Group, Anonymous Content/Overt Operations, The Weinstein Company, United Artists, Sidney Kimmel Entertainment, Spyglass Entertainment, MRC, Jackson Bites, Mandate Films und Worldwide Pants

Währenddessen kommt die Oscar-Verleihung immer näher und noch immer geben sich die Organisatoren der Academy of Motion Picture Arts and Sciences optimistisch, dass die Veranstaltung wie geplant über die Bühne gehen kann. Allerdings haben sie in der vergangenen Woche noch einmal öffentlich die WGA dazu aufgerufen, die Veranstaltung nicht zu bestreiken. Diese plant aber weiterhin, dies zu tun, und laut SAG (Screen Actors’ Guild, deren Vertrag mit der AMPTP im Juli ausläuft…) werden die Schauspieler dann auch an der Oscarverleihung nicht teilnehmen, so dass dieser ein ähnliches Schicksal wie den Golden Globes droht.

Aber halt! Vielleicht tut sich ja doch noch vor der Veranstaltung etwas. Wie verschiedene Quellen berichten, darunter die nicht unbedingt unseriöse New York Times, sind die inoffiziellen Verhandlungen zwischen WGA und AMPTP sehr gut vorangekommen und eine Einigung ist in Sicht, vielleicht sogar noch rechtzeitig für die Oscar-Verleihung. Die WGA berichtet (inoffiziell), dass man sich in Worten einig sei und diese jetzt nur noch in eine Vertragsfassung gebracht werden müssen. Dass dies allerdings nicht von jetzt auf gleich gehen kann, beweisen die Verhandlungen zwischen der DGA (Directors’ Guild of America) und der AMPTP, die auch nach einer vorläufigen Übereinkunft noch einige Zeit dauerten, bis alles spruchreif war.

Aber vielleicht kommen wir alle doch noch in den Genuss, Jon Stewart ein zweites Mal als Gastgeber bei der Oscarverleihung zuzuhören. Der österreichische Film “Die Fälscher” wird übrigens als heißer Kandidat für den besten ausländischen Film gehandelt.

United Artists verdient seinen Namen wieder

Samstag, Januar 5th, 2008

Man mag über Tom Cruise (und seine Religion) ja denken, was man möchte, aber dumm ist er nicht. Während in Hollywood die Golden Globes vor dem Aus stehen, weil die Schauspieler, die dort als Preisempfänger auftreten sollten sich mit den streikenden Autoren solidarisiert und angekündigt haben, nicht zur Preisverleihung zu erscheinen, macht es Cruise David Letterman nach und mutiert zum Streikbrecher der besonderen Art. Cruise ist seit vergangenem Jahr Chef des Studios United Artists und hat es nach Jahrzehnten wieder zurück in die erste Liga der großen Studios gebracht. Und jetzt hat er (bzw. seine langjährige Produzentin Paula Wagner) mit der WGA ein Abkommen erzielt, dass es UA als erstem (und vorerst einzigem) Studio erlaubt, Drehbuchautoren zu beschäftigen.

Genauso wie das Abkommen zwischen Worldwide Pants (siehe letzer Eintrag) und der WGA ist dieser Vertrag auch Teil der neuen “divide & conquer” Strategie der WGA, mit der diese hofft, die in der AMPTP organisierten Studios zu Verhandlungen zu zwingen. Und offensichtlich scheint es zu funktionieren, den welche Firma kann es sich schon leisten, wenn einer der Hauptkonkurrenten einen solchen Wettbewerbsvorteil hat? Besonders schön ist natürlich, dass nicht irgendein Studio zum Streikbrecher wird, sondern ausgerechnet United Artists, dass in den 20er Jahren von damaligen Filmgrößen um Charlie Chaplin gegründet wurde, um die Macht der großen Studios zu brechen…

Offiziell ist das Ganze übrigens noch nicht, aber meine Quellen (ahem…) sprechen davon, dass die Bestätigung morgen folgen wird.

Streikbrecher der besonderen Art…

Donnerstag, Januar 3rd, 2008

Nachdem über Weihnachten und Neujahr Ruhe hier eingekehrt ist (alle Einträge wurden lange vor Weihnachten geschrieben) und hoffentlich alle Leser und Schreiber schöne Feiertage hatten und gut ins neue Jahr gekommen sind (Ganz besonderen Dank an diejenigen, die auf die Idee gekommen sind, mir Weihnachtsfilme zu Weihnachten zu schenken. Ich werde es nicht vergessen…), gibt es jetzt noch einmal (deutlich verspätet) Neuigkeiten vom Autorenstreik im fernen Amerika.

Worldwide Pants (Weltweite Hosen, kein Scherz), die Produktionsfirma der Sendungen “Late Show with David Letterman” und “Late Late Show with Craig Ferguson” hat ein “Interimabkommen” mit der WGA getroffen, dass es den beiden Abendunterhaltern erlaubt, seit dem 2. Januar wieder auf Sendung zu sein – und zwar im Gegensatz zu ihren Kollegen wie Jay Leno oder Jon Stewart nicht als Alleinunterhalter, sondern mitsamt ihren Autoren. Und somit dürfte zumindest Letterman deutlich lustiger sein, als die anderen (Ferguson habe ich zu selten gesehen, um mir ein Urteil zu erlauben). Die Hoffnung ist natürlich, dass dies den Druck auf die anderen Sender, besonders NBC (Leno) erhöht, individuelle Absprachen mit der WGA zu treffen oder zumindest die AMPTP zurück an den Verhandlungstisch zu drängen. Aber natürlich sehen das nicht alle als Schritt in die richtige Richtung – auch nicht alle Autoren. Viele finden es schlicht unfair, dass die Letterman-Autoren wieder arbeiten (und Geld verdienen) dürfen, während ihre Kollegen weiterhin streiken. Und viele fürchten natürlich auch, dass die Solidarität zwischen den Autoren damit angegriffen wird.

Aber wenigstens gibt es somit wieder etwas zu lachen im amerikanischen Fernsehen.