Posts Tagged ‘USA’

Australischer Fußball

Sonntag, Mai 6th, 2012

Ich habe in den letzten Wochen eine neue Theorie entwickelt. Ich vermute mal, dass sie nicht sonderlich originell ist und eigentlich auch nicht neu, da sie andere vorher schon aufgestellt und vielleicht sogar bewiesen oder widerlegt haben, aber für mich stellt sie einen neuen Gedankengang dar und hat meine Überlegungen über Australien, die Gesellschaft und die Welt generell in ganz neue Bahnen gelenkt. Und die Theorie ist folgende: wenn Du etwas über die Menschen eines Landes erfahren willst, dann schau Dir ihren Volkssport an. Die Kultur einer Region spiegelt sich im Sport wider.

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Streik!

Freitag, November 9th, 2007

Ein Streik hält die Welt in Atem. Natürlich nicht der GDL Streik oder ein weiterer, obligatorischer Streik in Frankreich. Nein, ein Streik der etwas bedroht, was wirklich wichtig ist. Nicht so Kleinigkeiten wie den Bahnverkehr oder die deutsche Wirtschaft, sondern das, was unser aller Leben erträglicher macht: Die Unterhaltung, die Fernsehen und Kino bieten. In den USA, wo Gewerkschaften immer noch als Lachnummer gelten (jeder der schon mal versucht hat das Konzept der Mitbestimmung einem Amerikaner zu erklären, weiß was ich meine), streikt die WGA (Writer’s Guild of America, Vereinigung der amerikanischen Drehbuchautoren). Mehr als 12.000 (!) Schreiberlinge haben seit Montag die Arbeit niedergelegt, das erste Mal seit fast 20 Jahren, und nachdem sich jetzt abzeichnet, dass der Streik wohl etwas länger anhalten wird (1988 waren es fünf Monate), wird es Zeit sich damit zu beschäftigen, was wirklich zählt: Welchen Effekt hat der Streik auf unser tägliches Leben, hier im fernen Deutschland, wo gefühlte 80% des multimedialen Entertainments aus den USA kommen?

Ein Streikt resultiert immer aus einem Ungleichgewicht in der Macht der beiden Verhandlungspartner. In diesem Fall ist eigentlich klar, dass die Studios, Fernsehsender wie Filmproduzenten, im Vorteil sind. Schließlich haben sie das Geld und wie sich 1988 gezeigt hat, auch die Möglichkeit, auf Autoren zu verzichten. Das Ganze nennt sich dann Reality TV. Andererseits, und das ist der Grund dafür, dass inzwischen fast jeder mit einer langen Streikdauer rechnet, haben auch die Autoren einige Trümpfe in der Hand. Einer davon ist die Unterstützung der breiten Öffentlichkeit, die regelrecht Angst davor hat, auf die lieb gewonnene Unterhaltung zu verzichten. Wer des Englischen mächtig ist und sich im Internet umguckt, findet fast nur positive Reaktionen auf den Streik, nicht zuletzt da sich die Autoren auch gut verkaufen können. In Videos, Blogs und anderen Foren machen die Autoren ihrem Unmut Luft und finden Unterstützung durch “Prominente” wie die Seriendarsteller ebenso wie durch diejenigen, die es wirklich schwer haben: Die Autoren, die ihre Drehbücher selber produzieren. Diese “writer-producers” müssten sich eigentlich selber bestreiken und geraten damit in einen Gewissenskonflikt, haben sich aber durch die Bank für die Seite der WGA entschieden und die Arbeit eingestellt.

Die ersten “Opfer” des Streikes waren die Late Night Shows, von Jay Leno über David Lettermann, Conan O’Brian und andere bis zu Jon Stewart. Seit Beginn dieser Woche werden nur noch Wiederholungen gezeigt, während sich Jay Leno mit Donutlieferungen beliebt macht. Der Effekt für das deutsche Fernsehen? Keiner, da diese Sendungen gar nicht oder nur bei obskuren Sendern mit einstelligen Zuschauerzahlen gezeigt werden. Harald Schmidt (als einziger deutscher Nachahmer) bleibt also im Programm.

Die nächsten Sachen, die verschwinden werden, sind die Vielzahl an Serien. Hier ist die genaue Situation unterschiedlich. “24″ beispielsweise wird dieses Jahr in Amerika nicht ausgestrahlt, die schon produzierten Folgen werden im nächsten Jahr gezeigt. Andere Serien wie “Desperate Housewives” haben die Produktion inzwischen eingestellt, werden aber solange im amerikanischen Fernsehen zu sehen sein, wie es neue Folgen gibt. Dies gilt für den Großteil der Serien, wobei sich abzeichnet, dass die wenigsten genug fertiges Material haben, um bis ins neue Jahr zu sehen zu sein. Dieser Mangel an “original programming” hat schon dazu geführt, dass einige neu angelaufene Flops (wie “Cavemen”) von den Sendern nicht abgesetzt wurden, da in den Augen der Verantwortlichen alles Neue besser als Wiederholungen ist, selbst wenn die Einschaltquoten miserabel sind.

Was allerdings ab Januar zu sehen sein wird, ist bisher noch niemanden so ganz klar. Einige Serien werden weiterlaufen (vor allem Cartoons wie “Simpsons”, die einen sehr langen Produktionsvorlauf haben), aber was droht ist ein weiteres Ausweiten der Reality TV Programme, die ohne Drehbuchautoren auskommen. Oder deren Autoren zumindest nicht unter den Vertrag zwischen Produzenten und WGA fallen. Düstere Aussichten also für die amerikanischen Fernsehzuschauer. Aber wie sieht es für die deutschen aus?

Auf jeden Fall besser, wenn auch nicht unbedingt gut. Die meisten amerikanischen Serien laufen mit zwei Jahren Zeitverzögerung, so dass abgebrochene Staffeln diese Verzögerung eventuell auch ein Jahr reduzieren. Und wenn die Staffel doch noch vervollständigt werden, nur halt erst im neuen Jahr, wird dies für das deutsche Fernsehen durch die Zeitverzögerung keinerlei Unterschied machen. Pech haben hingegen all diejenigen, die auf die erst in diesem Jahr angelaufenen Serien hoffen. Viele werden den Streik nicht überleben, da sie noch nicht die Fanbasis haben um die Pause gesund zu überstehen. Wenn es um die Planung für den nächsten Herbst geht werden diese Serien wahrscheinlich wegfallen – und die Wahrscheinlichkeit, dass eine unfertige Staffel einer abgesetzten amerikanischen Serie es ins deutsche Fernsehen schafft, ist verschwindend gering (siehe “Firefly”).

Die eigentlich interessante Frage an dieser Stelle ist aber, was mit den Sendeplätzen all jener Serien passiert, die auch in Deutschland pausieren werden müssen. Optimisten können darauf hoffen, dass die deutschen Fernsehmacher die Chance nutzen um weitere deutsche Qualitätsserien zu platzieren. Pessimisten fürchten dort weiteres Reality TV, Quiz Shows und Wiederholungen. Realisten gehen davon aus, dass der Unterhaltungswert in beiden Fällen gleich hoch sein wird.

Wenden wir uns nun dem eigentlich viel interessanteren Thema zu, den Kinofilmen. Diese haben in den Medien bisher deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen – aus dem einfachen Grund, dass die Folgen hier erst später spürbar werden. Filmdrehbücher werden in der Regel Monate vor dem eigentlichen Drehbeginn fertiggestellt. Und selbst nach Abschluss der Dreharbeiten dauert es noch Monate (bisweilen Jahre), bis der Film wirklich ins Kino kommt. Das heißt also, dass man sich um die nahe Zukunft keine Sorgen machen muss, nicht zuletzt auch, weil viele Studios in den letzten Monaten Drehbücher förmlich gehortet haben und somit reichlich Rohmaterial vorhanden ist. Aber genau dort entsteht auch das erste Problem, dass Amerika ebenso wie den Rest der Welt treffen wird: Auch wenn die Drehbücher fertig sind, werden doch im Laufe der Dreharbeiten immer noch kleine bis mittelgroße Änderungen vorgenommen, weil sich ganz einfach herausstellt, dass die Geschichte dann besser funktioniert. Und genau das kann nicht gemacht werden, solange die Autoren streiken bzw. – noch schlimmer – es kann nur von Leuten gemacht werden, die keine Ahnung haben, was sie machen: Regisseuren, Produzenten und Schauspielern, die nicht zur WGA gehören. Man kann also für Ende 2008 bzw. für Deutschland auch Frühjahr 2009 mit vielen Filmen rechnen, die okay sind, denen aber irgendwie etwas fehlt…

Dramatischer sieht die Situation hingegen für die sogenannten “Blockbuster-Franchises” aus. Harry Potter 7, Spider-Man 4 und ähnliche Filme, die jetzt geschrieben werden müssten um die geplante Veröffentlichung einzuhalten, geraten unter Druck. Es ist also gut möglich, dass der Kinosommer 2009 weniger Filme mit großen Budgets bereithält. Alles in allem ist die Situation fürs Kino aber (noch) nicht dramatisch. Wenn aber im März die Drehbücher ausgehen und die Autoren immer noch streiken, dürfte es Zeit werden, die Situation noch einmal neu zu betrachten.