Posts Tagged ‘Geld’

Wie gewonnen, so zerronnen

Montag, Juni 18th, 2012

Nichts im Leben ist konstant. Nichts bleibt. Alles ändert sich, manchmal zum Guten, manchmal zum Schlechten. Die meisten Veränderungen sind sowohl Gewinn als auch Verlust. Diese und andere Gedanken schwirren mir dieser Tage im Kopf herum, während mein Abschied von Melbourne näherrückt. Abschied von Melbourne, fragt Ihr? Aber ja, das habe ich doch immer wieder betont. Ich wollte doch nur den Sommer hier verbringen. Gut, jetzt sind es am Ende mehr als 9 Monate geworden. (Ja, wirklich so lange, wenn man mal von kleineren oder größeren Ausflügen absieht.) Und danach noch die Hälfte des Kontinents sehen, die ich bisher noch nicht erkundet habe. Den wilden Westen, wo sich deutlich weniger Reisende hin verirren und wo die Natur noch unberührt ist vom Massentourismus. Dafür leidet sie unter den Bodenschätzen, die dort in Masse gefördert werden. Aber das Land ist so weit und so dünn besiedelt, dass man trotzdem noch an scheinbar unbekannte Orte kommen kann.

(weiterlesen …)

Alles anders und doch gleich

Montag, November 29th, 2010

Morgen bin ich seit zwei Wochen in Bundaberg, genau so lange wie ich in Sydney war. Und obwohl die letzten achtundvierzig Stunden sehr ereignisreich waren und vieles ganz anders war als bisher, habe ich doch das Gefühl, dass sich so langsam eine Routine einschleicht, dass ein Alltag entsteht dem ich nicht mehr entfliehen kann, und somit packt mich immer mehr die Unruhe. Aber der Reihe nach.

Samstag hatte ich frei und die viele Zeit habe ich genutzt, um mit Lisa und Fabian, zwei weiteren Deutschen hier aus dem Hostel, die Teil der immer größer werdenden „deutschen Clique“ sind, zu Aldi zu gehen. Eigentlich keine große Sache, aber wenn es bei endlich mal warmen Temperaturen über vier Kilometer Fußmarsch pro Strecke sind, überlegt man sich das doch zweimal. Jedenfalls ist Aldi auch in Australien sehr deutsch und vor allem sehr aldi-typisch, so dass es schon fast ein bisschen Heimat war, dort zu sein. Allerdings sind die Lebensmittel auch nicht wirklich billiger als die Hausmarken der großen Supermarktketten und wenn man nicht gerade Schoko-Weihnachtsmänner oder Lebkuchen kaufen will, lohnt sich der Ausflug eher nicht. Denn es gibt zwar auch Graubrot, das erste Brot, das ich hier gefunden habe, das nicht völlig weich und labbrig ist, dieses schmeckt aber so intensiv nach Kümmel, dass es fast ungenießbar ist. Aber wer weiß, wenn ich noch mal einen Tag frei habe (was ich natürlich nicht hoffe), laufe ich vielleicht noch mal hin.

Abends haben wir dann noch gemeinsam mit Bianca und Sebastian (wie gesagt, deutsche Clique) gekocht – Süßkartoffeln mit Bratwurst (vom Aldi), ein echter Festschmaus. Danach wollten die meisten dann noch weg, gemeinsam mit Mara und Anna (man kann es sich fast schon denken, natürlich auch Deutsche), ins „Central“, den angesagtesten weil einzigen Backpacker Club vor Ort. Weil Alkohol aber normalerweise unbezahlbar ist (ich glaube, ich habe das schon einmal erwähnt), wurde vorab eine Box „goon“ gekauft, billiger Wein wo es die 4 Liter Bag-in-Box schon ab 10 Dollar gibt. Da ich aber am nächsten Morgen arbeiten musste, bin ich noch mal kurz rüber in meine „unit“ (wir waren in einer anderen, die sehr viel einladender ist…) gegangen, um meine Sachen zu packen und vor allem die wichtigen Formulare für die neue Farm auszufüllen. Als ich zwanzig Minuten später wiederkam, waren die vier Liter Wein getrunken. Eine beeindruckende Leistung. Sebastian hat mir zum Glück noch ein letztes Glas gerettet, so dass ich wenigstens nicht ganz nüchtern los musste. Was auch vernünftig war, denn ganz nüchtern hätte ich bestimmt noch mal gründlich darüber nachgedacht, ob es sinnvoll ist, um zehn wegzugehen, wenn man um halb sechs aufstehen und zur Arbeit muss.

Das Weggehen war eigentlich recht ereignislos. Bis zum Rückweg. Da wurden wir dann, jetzt nur noch zu dritt, von einem völlig besoffenen australischen Halbwüchsigen angepöbelt, der ganz große Lust darauf hatte, sich mit mir zu prügeln. Seine Freunde wollten ihn zurückhalten, waren aber auch völlig überfordert, so dass er schließlich eine Latte aus einem Zaun gebrochen hat und uns in den Hof des Hostels gefolgt ist, der praktischerweise von Videokameras überwacht wird. Nur getraut zuzuschlagen hat er sich nicht, sondern nur weiter den großen Mann gemacht. In manchen Situationen ist es halt ganz praktisch, wenn man nicht die Ruhe verliert sondern die Contenance wahrt, egal was passiert. Auch wenn ich es eigentlich ganz nett gefunden hätte, hätte er versucht zuzuschlagen. Dann hätte ich vielleicht mal die ganzen aufgestauten Aggressionen abzubauen…

Sonntag morgen hatte ich dann doch etwas Probleme aus dem Bett zu kommen. Auf Dauer reichen fünf Stunden Schlaf die Nacht bei körperlicher Belastung einfach nicht aus. Aber immerhin, ich durfte mal etwas anderes machen: „rock melons“ (keine Ahnung, wie die im Deutschen heißen) ernten. Von sieben bis zwei waren wir auf dem Feld, mit ein paar recht netten Australiern, und haben Melonen aufgehoben. Dabei werden bei weitem nicht alle geerntet, sondern nur die, die wirklich reif sind. Die gleichen Reihen müssen also alle paar Tage gemacht werden. Je nachdem, wie es jetzt weitergeht, werde ich diese also nochmal wiedersehen. Da Melonen ja nicht ganz so klein und handlich sind, hat man bei der Ernte natürlich maschinelle Unterstützung. Wer mir sagen kann, wie die unten abgebildete Maschine bei der Ernte hilft, bekommt auch einen Preis, denn ich mag nicht mehr so viel schreiben.

sam_0411

Achso, und so sehen übrigens die Melonen und das Feld aus:

sam_0407

sam_0410

Ich habe auch zwei mitnehmen dürfen, allerdings keine „rock melons“ sondern noch mal andere, deren Namen ich nicht verstanden habe, die aber wohl eigentlich hauptsächlich in der Wüste wachsen und total süß und lecker sein werden. Heute Abend werden wir vielleicht mal wieder mit ein paar Leuten kochen, da kann ich dann den Nachtisch beisteuern.

Nachmittags habe ich dann mal wieder, wie jeden Tag, meinen Kontostand kontrolliert, und tatsächlich habe ich inzwischen nicht nur Geld verdient sondern auch bekommen. Statt der üblichen Null war da nämlich plötzlich etwas von A$880 zu lesen. Insofern war es also ein guter Tag, auch wenn der Rest des Nachmittags dann eher langweilig und vor allem ziemlich faul war. Der heutige Tag fing dann genauso an wie die meisten Tage. Kurz nach fünf aufstehen, zehn vor sechs zur Arbeit fahren, halb sieben anfangen zu arbeiten, heute mal Unkraut aus den Süßkartoffelpflanzen reißen. Und leider waren es heute nur vier Stunden Arbeit, da wir dann schon fertig waren und damit mal wieder ein viel zu kurzer Tag. Aber eine Sache war doch anders! Ich bin zum ersten Mal in Australien Auto gefahren! Auf der falschen (bzw. richtigen) Straßenseite. Denn da beide unsere Fahrer heute in der anderen Crew waren, musste einer aus unserer Crew auf der Farm und dann auch zurück fahren. Und ich habe natürlich laut hier geschrien. Überraschenderweise ist das mit dem Lenkrad rechts und dem links fahren auch gar nicht so gewöhnungsbedürftig wie ich es mir vorgestellt hatte. Nur der Rückspiegel ist völlig falsch positioniert, denn der kurze Blick nach oben rechts bringt sehr wenig um nicht zu sagen gar nichts. Aber meine sechs Mitfahrer haben auf jeden Fall alle überlebt und wir sind ohne Zwischenfälle zurück ins Hostel gekommen. Und wer jetzt meint, das sei keine besondere Leistung, kann ja mal einen Blick auf das tolle Gefährt werfen. Ich glaube in Deutschland wäre ich da nicht rein gestiegen, vom selber fahren ganz zu schweigen…

sam_0412

sam_0413

sam_0414

Eigentlich ist also die letzten Tage echt viel passiert. Und trotzdem ist mir vornehmlich langweilig. So langweilig, dass ich sogar ganz heiß darauf bin bei Logan zu arbeiten, wo die Backpacker wohl wie der letzte Dreck behandelt werden. Aber dafür kann so ein Arbeitstag schon mal vierzehn Stunden dauern. Ein echter Traum.