Posts Tagged ‘David Letterman’

United Artists verdient seinen Namen wieder

Samstag, Januar 5th, 2008

Man mag über Tom Cruise (und seine Religion) ja denken, was man möchte, aber dumm ist er nicht. Während in Hollywood die Golden Globes vor dem Aus stehen, weil die Schauspieler, die dort als Preisempfänger auftreten sollten sich mit den streikenden Autoren solidarisiert und angekündigt haben, nicht zur Preisverleihung zu erscheinen, macht es Cruise David Letterman nach und mutiert zum Streikbrecher der besonderen Art. Cruise ist seit vergangenem Jahr Chef des Studios United Artists und hat es nach Jahrzehnten wieder zurück in die erste Liga der großen Studios gebracht. Und jetzt hat er (bzw. seine langjährige Produzentin Paula Wagner) mit der WGA ein Abkommen erzielt, dass es UA als erstem (und vorerst einzigem) Studio erlaubt, Drehbuchautoren zu beschäftigen.

Genauso wie das Abkommen zwischen Worldwide Pants (siehe letzer Eintrag) und der WGA ist dieser Vertrag auch Teil der neuen “divide & conquer” Strategie der WGA, mit der diese hofft, die in der AMPTP organisierten Studios zu Verhandlungen zu zwingen. Und offensichtlich scheint es zu funktionieren, den welche Firma kann es sich schon leisten, wenn einer der Hauptkonkurrenten einen solchen Wettbewerbsvorteil hat? Besonders schön ist natürlich, dass nicht irgendein Studio zum Streikbrecher wird, sondern ausgerechnet United Artists, dass in den 20er Jahren von damaligen Filmgrößen um Charlie Chaplin gegründet wurde, um die Macht der großen Studios zu brechen…

Offiziell ist das Ganze übrigens noch nicht, aber meine Quellen (ahem…) sprechen davon, dass die Bestätigung morgen folgen wird.

Streikbrecher der besonderen Art…

Donnerstag, Januar 3rd, 2008

Nachdem über Weihnachten und Neujahr Ruhe hier eingekehrt ist (alle Einträge wurden lange vor Weihnachten geschrieben) und hoffentlich alle Leser und Schreiber schöne Feiertage hatten und gut ins neue Jahr gekommen sind (Ganz besonderen Dank an diejenigen, die auf die Idee gekommen sind, mir Weihnachtsfilme zu Weihnachten zu schenken. Ich werde es nicht vergessen…), gibt es jetzt noch einmal (deutlich verspätet) Neuigkeiten vom Autorenstreik im fernen Amerika.

Worldwide Pants (Weltweite Hosen, kein Scherz), die Produktionsfirma der Sendungen “Late Show with David Letterman” und “Late Late Show with Craig Ferguson” hat ein “Interimabkommen” mit der WGA getroffen, dass es den beiden Abendunterhaltern erlaubt, seit dem 2. Januar wieder auf Sendung zu sein – und zwar im Gegensatz zu ihren Kollegen wie Jay Leno oder Jon Stewart nicht als Alleinunterhalter, sondern mitsamt ihren Autoren. Und somit dürfte zumindest Letterman deutlich lustiger sein, als die anderen (Ferguson habe ich zu selten gesehen, um mir ein Urteil zu erlauben). Die Hoffnung ist natürlich, dass dies den Druck auf die anderen Sender, besonders NBC (Leno) erhöht, individuelle Absprachen mit der WGA zu treffen oder zumindest die AMPTP zurück an den Verhandlungstisch zu drängen. Aber natürlich sehen das nicht alle als Schritt in die richtige Richtung – auch nicht alle Autoren. Viele finden es schlicht unfair, dass die Letterman-Autoren wieder arbeiten (und Geld verdienen) dürfen, während ihre Kollegen weiterhin streiken. Und viele fürchten natürlich auch, dass die Solidarität zwischen den Autoren damit angegriffen wird.

Aber wenigstens gibt es somit wieder etwas zu lachen im amerikanischen Fernsehen.

Streik!

Freitag, November 9th, 2007

Ein Streik hält die Welt in Atem. Natürlich nicht der GDL Streik oder ein weiterer, obligatorischer Streik in Frankreich. Nein, ein Streik der etwas bedroht, was wirklich wichtig ist. Nicht so Kleinigkeiten wie den Bahnverkehr oder die deutsche Wirtschaft, sondern das, was unser aller Leben erträglicher macht: Die Unterhaltung, die Fernsehen und Kino bieten. In den USA, wo Gewerkschaften immer noch als Lachnummer gelten (jeder der schon mal versucht hat das Konzept der Mitbestimmung einem Amerikaner zu erklären, weiß was ich meine), streikt die WGA (Writer’s Guild of America, Vereinigung der amerikanischen Drehbuchautoren). Mehr als 12.000 (!) Schreiberlinge haben seit Montag die Arbeit niedergelegt, das erste Mal seit fast 20 Jahren, und nachdem sich jetzt abzeichnet, dass der Streik wohl etwas länger anhalten wird (1988 waren es fünf Monate), wird es Zeit sich damit zu beschäftigen, was wirklich zählt: Welchen Effekt hat der Streik auf unser tägliches Leben, hier im fernen Deutschland, wo gefühlte 80% des multimedialen Entertainments aus den USA kommen?

Ein Streikt resultiert immer aus einem Ungleichgewicht in der Macht der beiden Verhandlungspartner. In diesem Fall ist eigentlich klar, dass die Studios, Fernsehsender wie Filmproduzenten, im Vorteil sind. Schließlich haben sie das Geld und wie sich 1988 gezeigt hat, auch die Möglichkeit, auf Autoren zu verzichten. Das Ganze nennt sich dann Reality TV. Andererseits, und das ist der Grund dafür, dass inzwischen fast jeder mit einer langen Streikdauer rechnet, haben auch die Autoren einige Trümpfe in der Hand. Einer davon ist die Unterstützung der breiten Öffentlichkeit, die regelrecht Angst davor hat, auf die lieb gewonnene Unterhaltung zu verzichten. Wer des Englischen mächtig ist und sich im Internet umguckt, findet fast nur positive Reaktionen auf den Streik, nicht zuletzt da sich die Autoren auch gut verkaufen können. In Videos, Blogs und anderen Foren machen die Autoren ihrem Unmut Luft und finden Unterstützung durch “Prominente” wie die Seriendarsteller ebenso wie durch diejenigen, die es wirklich schwer haben: Die Autoren, die ihre Drehbücher selber produzieren. Diese “writer-producers” müssten sich eigentlich selber bestreiken und geraten damit in einen Gewissenskonflikt, haben sich aber durch die Bank für die Seite der WGA entschieden und die Arbeit eingestellt.

Die ersten “Opfer” des Streikes waren die Late Night Shows, von Jay Leno über David Lettermann, Conan O’Brian und andere bis zu Jon Stewart. Seit Beginn dieser Woche werden nur noch Wiederholungen gezeigt, während sich Jay Leno mit Donutlieferungen beliebt macht. Der Effekt für das deutsche Fernsehen? Keiner, da diese Sendungen gar nicht oder nur bei obskuren Sendern mit einstelligen Zuschauerzahlen gezeigt werden. Harald Schmidt (als einziger deutscher Nachahmer) bleibt also im Programm.

Die nächsten Sachen, die verschwinden werden, sind die Vielzahl an Serien. Hier ist die genaue Situation unterschiedlich. “24″ beispielsweise wird dieses Jahr in Amerika nicht ausgestrahlt, die schon produzierten Folgen werden im nächsten Jahr gezeigt. Andere Serien wie “Desperate Housewives” haben die Produktion inzwischen eingestellt, werden aber solange im amerikanischen Fernsehen zu sehen sein, wie es neue Folgen gibt. Dies gilt für den Großteil der Serien, wobei sich abzeichnet, dass die wenigsten genug fertiges Material haben, um bis ins neue Jahr zu sehen zu sein. Dieser Mangel an “original programming” hat schon dazu geführt, dass einige neu angelaufene Flops (wie “Cavemen”) von den Sendern nicht abgesetzt wurden, da in den Augen der Verantwortlichen alles Neue besser als Wiederholungen ist, selbst wenn die Einschaltquoten miserabel sind.

Was allerdings ab Januar zu sehen sein wird, ist bisher noch niemanden so ganz klar. Einige Serien werden weiterlaufen (vor allem Cartoons wie “Simpsons”, die einen sehr langen Produktionsvorlauf haben), aber was droht ist ein weiteres Ausweiten der Reality TV Programme, die ohne Drehbuchautoren auskommen. Oder deren Autoren zumindest nicht unter den Vertrag zwischen Produzenten und WGA fallen. Düstere Aussichten also für die amerikanischen Fernsehzuschauer. Aber wie sieht es für die deutschen aus?

Auf jeden Fall besser, wenn auch nicht unbedingt gut. Die meisten amerikanischen Serien laufen mit zwei Jahren Zeitverzögerung, so dass abgebrochene Staffeln diese Verzögerung eventuell auch ein Jahr reduzieren. Und wenn die Staffel doch noch vervollständigt werden, nur halt erst im neuen Jahr, wird dies für das deutsche Fernsehen durch die Zeitverzögerung keinerlei Unterschied machen. Pech haben hingegen all diejenigen, die auf die erst in diesem Jahr angelaufenen Serien hoffen. Viele werden den Streik nicht überleben, da sie noch nicht die Fanbasis haben um die Pause gesund zu überstehen. Wenn es um die Planung für den nächsten Herbst geht werden diese Serien wahrscheinlich wegfallen – und die Wahrscheinlichkeit, dass eine unfertige Staffel einer abgesetzten amerikanischen Serie es ins deutsche Fernsehen schafft, ist verschwindend gering (siehe “Firefly”).

Die eigentlich interessante Frage an dieser Stelle ist aber, was mit den Sendeplätzen all jener Serien passiert, die auch in Deutschland pausieren werden müssen. Optimisten können darauf hoffen, dass die deutschen Fernsehmacher die Chance nutzen um weitere deutsche Qualitätsserien zu platzieren. Pessimisten fürchten dort weiteres Reality TV, Quiz Shows und Wiederholungen. Realisten gehen davon aus, dass der Unterhaltungswert in beiden Fällen gleich hoch sein wird.

Wenden wir uns nun dem eigentlich viel interessanteren Thema zu, den Kinofilmen. Diese haben in den Medien bisher deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen – aus dem einfachen Grund, dass die Folgen hier erst später spürbar werden. Filmdrehbücher werden in der Regel Monate vor dem eigentlichen Drehbeginn fertiggestellt. Und selbst nach Abschluss der Dreharbeiten dauert es noch Monate (bisweilen Jahre), bis der Film wirklich ins Kino kommt. Das heißt also, dass man sich um die nahe Zukunft keine Sorgen machen muss, nicht zuletzt auch, weil viele Studios in den letzten Monaten Drehbücher förmlich gehortet haben und somit reichlich Rohmaterial vorhanden ist. Aber genau dort entsteht auch das erste Problem, dass Amerika ebenso wie den Rest der Welt treffen wird: Auch wenn die Drehbücher fertig sind, werden doch im Laufe der Dreharbeiten immer noch kleine bis mittelgroße Änderungen vorgenommen, weil sich ganz einfach herausstellt, dass die Geschichte dann besser funktioniert. Und genau das kann nicht gemacht werden, solange die Autoren streiken bzw. – noch schlimmer – es kann nur von Leuten gemacht werden, die keine Ahnung haben, was sie machen: Regisseuren, Produzenten und Schauspielern, die nicht zur WGA gehören. Man kann also für Ende 2008 bzw. für Deutschland auch Frühjahr 2009 mit vielen Filmen rechnen, die okay sind, denen aber irgendwie etwas fehlt…

Dramatischer sieht die Situation hingegen für die sogenannten “Blockbuster-Franchises” aus. Harry Potter 7, Spider-Man 4 und ähnliche Filme, die jetzt geschrieben werden müssten um die geplante Veröffentlichung einzuhalten, geraten unter Druck. Es ist also gut möglich, dass der Kinosommer 2009 weniger Filme mit großen Budgets bereithält. Alles in allem ist die Situation fürs Kino aber (noch) nicht dramatisch. Wenn aber im März die Drehbücher ausgehen und die Autoren immer noch streiken, dürfte es Zeit werden, die Situation noch einmal neu zu betrachten.