Ausgesprochen Abgebrochen

Als würde die AMPTP einem Drehbuch folgen, hat sie am gestrigen Freitag die Verhandlungen mit der WGA über ein Ende des Streikes der Autoren in den USA abgebrochen. Die Vereinigung der Studios hat eine Liste an Forderungen auf den Tisch gelegt und klar und deutlich gesagt, wenn die WGA auf diese nicht umgehend eingeht, würden die Gespräche nicht fortgesetzt. Die WGA hat sich im Gegenzug geäußert, dass sie gerne verhandeln will, aber sich nicht erpressen lässt und ein solches Ultimatum nicht annehmen wird. Und somit sprechen beide Seiten seit gestern nicht mehr miteinander, sondern schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Dass dabei vor allem die AMPTP blöd aussieht, scheint diese nicht sonderlich zu interessieren. Solange die WGA den Forderungen der AMPTP nicht zustimmt, wird diese nach eigener Aussage nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren. Nachgelesen werden kann das Ultimatum der AMPTP (auf Englisch) beispielsweise hier.

Während die Zukunft jetzt also alles andere als vorhersehbar ist, scheinen zwei mögliche Entwicklungen besonders wahrscheinlich. Entweder wird die WGA irgendwann einknicken – ewig können die Autoren nicht streiken, irgendwie müssen sie Geld verdienen. Und auch die anderen Betroffenen in der Unterhaltungsindustrie sind auf eine Einigung angewiesen – denn sie sind nicht im Streik, sondern entlassen. Und für viele der “einfachen” Arbeiter ist das in den USA existenzbedrohend. Wenn sich jetzt noch die DGA (Directors’ Guild of America, Verband der amerikanischen Regisseure) mit der AMPTP einig wird (was die WGA natürlich verhindern will, besonders die 1.300 Leute, die Mitglied beider Verbände sind), ist es vorprogrammiert, dass die WGA irgendwann nachgibt. Nicht heute und auch nicht nächsten Monat, aber wenn der Streik sich erstmal ein halbes Jahr oder Jahr hinzieht, muss eine Seite einlenken – und die AMPTP wird das nicht sein.

Die andere Möglichkeit ist (und das ist diejenige auf die alle, die gerne unterhalten werden, hoffen sollten), dass einzelne Mitglieder der AMPTP die Sache selber in die Hand nehmen. Die Mitglieder der AMPTP sind Konkurrenten in einem hart umkämpften Geschäft – und wenn plötzlich Warner Brothers wieder neue Fernsehserien und Filme produzieren kann während Fox und Disney stillsitzen müssen, wird das die Industrie gewaltig durcheinander bringen. Jedes der vier großen Unternehmen (Time Warner, News Corp, Disney und Viacom) hat also ein Interesse daran, den Streik im eigenen Haus möglichst schnell zu beenden. Und wenn erstmal eines der Unternehmen eingelenkt hat, werden die anderen schnell folgen müssen. Es bleibt also abzuwarten, wie lange die Allianz der Konkurrenten anhält.

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