4 Wochen London

Heute bin ich seit vier Wochen in London. Und wie das häufig so ist bei so großen Veränderungen im Leben, scheint es gleichzeitig schon viel länger und doch erst viel kürzer zu sein. Irgendwie habe ich mich schon vollkommen angepasst und trotzdem immer noch nicht eingelebt. Und seit Wochen, also praktisch seit meiner Ankunft hier, will ich auch unbedingt mal über mein neues Leben bloggen. Aber irgendwie komme ich einfach nicht dazu. Hier also die absolute Kurzfassung der letzten 28 Tage:

Ich habe in dieser Zeit 21 Tage gearbeitet. Davon die letzten 6, den heutigen ausgeschlossen. Und ab morgen werden es auch wieder 6 Tage am Stück sein. Das, verbunden mit Schichtarbeit, ist sicherlich der Hauptgrund dafür, dass ich noch nichts geschrieben habe. Nach den eher “ruhigen” Monaten in Deutschland war dies doch eine ganz schöne Umstellung.

Ich habe in den ersten zwei Wochen ungefähr 15 verschiedene Zimmer gesehen, um eine Bleibe zu finden. Keine einfache Aufgabe in dieser ach so teuren Stadt. Seit fast zwei Wochen wohne ich jetzt in einem etwas größeren Schuhkarton in Seven Sisters, wo nur ganz selten Leute niedergestochen werden. Ich kann dazu nur sagen, dass es eine interessante Erfahrung ist, sonntags morgens um 6 auf den Bus zu warten, um zur Arbeit zu fahren.

Ich werde allerdings in zwei Wochen schon wieder umziehen. Allerdings nur eine Straße weiter. Dafür ist das Zimmer bei nur minimaler Mietsteigerung doppelt so groß und das Haus nicht ganz so runtergekommen. Dort werde ich mindestens bis September leben und auch Platz für Besucher haben. Wer also die “seedy side of London” schon immer mal sehen wollte: dies ist die große Chance.

Ich arbeite auch hier wieder in einem Hostel, wie schon damals zu der vielleicht besten Zeit meines Lebens in Melbourne. Nur eben nicht nachts, was gewisse Vorteile hat. Ein normales Sozialleben gehört aber leider nicht dazu. An einem Wochenendtag frei haben werde ich vor September wohl auch nicht, es sei denn ich nehme mir Urlaub. Aber Dienstag und Mittwoch sind ja auch schöne Tage, um etwas von der Stadt zu sehen.

Das habe ich in den letzten Wochen auch immer wieder versucht zu machen. Ich habe es sogar letzte Woche bis nach Oxford geschafft und damit erstmals etwas von England, was nicht die Hauptstadt ist, gesehen. Oxford hat mir trotz Sauwetter gut gefallen und ich bin froh, dass die einzige Person in ganz England, der ich eng freundschaftlich verbunden bin, dort lebt.

Ansonsten ist es alles ein ganz neues Leben. Ich orientiere mich an meinen Kollegen, die durch die Bank jünger sind und mich auch dafür halten, sowie meinen Mitbewohnern, um ein wenig Anschluss an andere Menschen zu finden. Das funktioniert mal mehr und mal weniger gut. Details wären sicherlich interessant, aber es gibt tatsächlich Themen über die ich nicht in dieser offenen Form schreibe.

Gerne schreibe ich jedoch über die Vorteile des Jobs. Wie zwei Freikarten für den Zoo, die ich für Freitag Vormittag habe. (Bzw. für den ganzen Freitag, aber ich muss ab 14:45 arbeiten.) Leider habe ich niemanden, der mit mir gehen kann – die meisten Menschen sind ja dann bei der Arbeit. Aber falls jemand am Freitag in London nichts zu tun hat, lasst es mich bald wissen. Ich habe mir sagen lassen, der Zoo sei echt lohnenswert.

Lohnenswerter auf jeden Fall als Ripley’s Believe it or Not!, eine Art Museum zentral am Picadilly Circus gelegen. Dort war ich auch schon hin eingeladen, aber empfohlen habe ich es trotzdem bisher keinem Gast. Ist ja ganz nett, aber 25 Pfund für sowas zu verlangen ist dann doch übertrieben.

Überhaupt ist leider alles sehr teuer, was weniger störend wäre, wenn ich nicht gerade mal ein kleines bisschen mehr als den Mindestlohn verdienen würde. Aber über so langweilige Themen wie Geld will ich dann auch wieder nicht schreiben.

Genauso wenig wie über Details meiner Arbeit oder wo genau ich eigentlich arbeite. Ich glaube, die Engländer sind dabei nicht so entspannt wie die Australier und nachdem ich einen absoluten Knebelvertrag unterschrieben habe, um den Job zu bekommen, will ich keinerlei Risiko eingehen. Nur so viel sei gesagt: es ist ein Hostel der englischen Variante der größten weltweiten Organisation von Jugendherbergen und es ist in idealer Lage direkt am Abfahrtort des Eurostar…

Dies nur so als kleiner Eindruck meiner ersten Wochen in England. Hoffentlich werde ich mich bald an dieses neue Leben so weit gewöhnt haben, dass ich mich auch in der Lage sehe, mich mal für eine halbe Stunde hinzusetzen und etwas darüber aufzuschreiben.

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