Reisestress

Das Wort “Freizeitstress”, so furchtbar es auch sein mag, ist ja inzwischen im alltäglichen Sprachgebrauch angekommen. Und wer kennt es nicht, dass man sich so viele Dinge vornimmt und Pläne macht, dass die Zeit, die eigentlich zur Entspannung gedacht war, auf einmal tatsächlich in Stress ausartet. Das Wort “Reisestress” hingegen habe ich bisher niemanden (außer mir selbst) verwenden hören. Aber auch dieser ist vielleicht vielen nicht ganz unbekannt. Und wenn man länger unterwegs ist, ist er scheinbar fast vorprogrammiert.

Auf den Tag genau vor zwei Monaten bin ich in Adelaide aufgebrochen. Meine große Reise hat ja schon fast eine Woche vorher in Melbourne begonnen, aber am 16. Juli ging es so richtig los. Und seitdem bin ich eigentlich gar nicht mehr zur Ruhe gekommen. Oder zumindest fühlt es sich so an. Gut, ich war eine Woche krank und in Darwin habe ich eigentlich ganz viel Zeit gehabt, aber seitdem ich dort vor nunmehr 17 Tagen aufgebrochen bin, war ich eigentlich nur im Stress.

Nun muss Stress nichts Negatives sein. Es gibt sehr schönen Stress und weitestgehend gehört dieser auch dazu. Es ist ja nicht so, dass ich lauter furchtbare Dinge gemacht habe. Ganz im Gegenteil. Ich bin im Moment einfach nur kaputt und erschöpft von den vielen tollen Dingen, die ich gesehen, gemacht und erlebt habe. Diese ständigen neuen Eindrücke, wenn man jeden Tag woanders ist, sind toll und für mich auch die Essenz des Reisens. Aber sie sind eben auch verdammt anstrengend. Manchmal fehlt die Zeit, um sie zu verarbeiten. Und das ist wahnsinnig schade, aber leider nicht zu ändern. Ich würde nichts lieber machen als an jedem Ort ein paar Tage zu verweilen, es alles auf mich wirken zu lassen, zur Ruhe zu kommen, und dann weiterzufahren. Aber dafür fehlt mir schlichtweg die Zeit.

Und so kommt es jetzt, dass ich einfach zu nichts mehr komme. E-Mails bleiben unbeantwortet. Die 1.500 Bilder (und Videos), die ich in der Zeit gemacht habe, sind noch nicht mal gesichert, geschweige denn sortiert. Meine weitere Reiseplanung erfolgt immer im letzten Moment. Und zum Bloggen komme ich auch nicht in der Form, wie ich das gerne würde. Ich habe einfach keinen Buffer mehr, um ältere Einträge zu veröffentlichen und diese zu schreiben und dann womöglich auch noch mit Bildern zu versehen braucht einfach zu viel Zeit, die ich nicht habe.

Dies ist also nicht nur ein Wehklagen, sondern auch eine Erklärung dafür wenn die Berichterstattung schon wieder abbricht. Ich hatte gedacht oder zumindest gehofft, dass ich es inzwischen besser im Griff hätte und schaffen würde, nebenher zu schreiben. Aber die Erfahrung der letzten zwei Wochen hat gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. Und die nächsten zwei Wochen werden noch viel stressiger, weil die Fahrtstrecken viel weiter werden. Gerade bin ich in Broome. In 18 Tagen will bzw. muss ich in Adelaide sein. Dazwischen gibt es es nicht nur 6.000 Kilometer Küstenlinie, sondern auch ganz viel zu sehen. Und irgendwie geht das dann doch vor. Ich bitte also um Verständnis, wenn an dieser Stelle am Donnerstag nichts Neues zu lesen ist. Ich werde versuchen, wenigstens eine kurze Geschichte aufzuschreiben. Aber versprechen kann ich es einfach nicht. Denn Stress habe ich auch so gerade genug. Auch wenn es alles positiver Stress ist.

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