Photographierender Autodidakt

Der aufmerksame Leser mag es schon bemerkt haben: es gibt dieser Tage zwei Arten von Berichten hier. Die einen sind die klassischen Reiseberichte. „Und dann habe ich das gemacht.“ Die anderen sind mehr Anekdoten, die nicht unbedingt der Chronologie folgen, sondern Leute oder Dinge, die mich während der Reise beschäftigt haben, betreffen. Und bevor ich den versprochenen Bericht über den Ausflug zum Uluru hier einstelle, will ich an einem Beispiel mein neues Hobby, die Photographie, in den Mittelpunkt stellen und dabei so einiges über mich verraten.

Als ich mir meine neue, ganz tolle, nahezu einzigartig gute, Kamera gekauft habe wusste ich sehr wenig über das Photographieren. (So wenig, um genau zu sein, dass ich neudeutsch Fotografieren geschrieben hätte.) Meine bisherige Kamera war eine klassischen „Point-and-Shoot“-Kamera, also eine, die null Funktionen hat und die man einfach aufs gewünschte Motiv richtet und dann nichts machen kann außer Beten, dass ein gutes Bild am Ende dabei rauskommt.

Mit einer digitalen Spiegelreflex-Kamera sieht das dann etwas anders aus. Die Sony Alpha A57 hat gefühlte drei Millionen Einstellmöglichkeiten. Natürlich gibt es auch den „Idioten-Modus“, wie mein Freund Jan ihn zu nennen pflegt, wo man die Kamera einfach aufs Objekt richten kann und dann am Ende ein gutes Bild, meistens zumindest, rauskommt.

Aber für manche Dinge reicht das halt nicht aus. Und dann gibt es da Begrifflichkeiten wie ISO-Faktor, Belichtungszeit, „shutter speed“, „aperture“ und so weiter, mit denen ich wenig bis gar nichts anfangen kann. Die meisten Leute würden nun wahrscheinlich hingehen und sich ein Buch zum Thema kaufen und es damit lernen. Oder schlaue Foren im Internet durchsuchen. Aber ich habe mir die Dinge schon immer gerne selber beigebracht, auch wenn man dann natürlich nie jedes Detail versteht. Und selber beibringen heißt meistens, rumzuprobieren und den englischen Grundsatz des „learning by doing“ wirklich zu verinnerlichen.

Und genau das habe ich vom ersten Tag an gemacht – alles einfach mal ausprobiert. Auf die Art und Weise habe ich ganz schön viele richtig schlechte und überflüssige Fotos gemacht. Ich habe aber auch schon viel gelernt. Zum Beispiel bei meinen Versuchen, den Nachthimmel zu photographieren. Dass ich ein Stativ brauchen würde, war mir ja schon klar. Dass eine Fernebedienung für die Kamera, damit man diese zum Auslösen nicht berühren muss, allerdings auch notwendig ist, nun damit hatte ich anfangs nicht gerechnet. Aber bei längeren Belichtungszeiten ist diese unabdingbar.

Und mit längeren Belichtungszeiten meine ich nicht drei Sekunden, sondern eher zwanzig Minuten. Was bei kurzem Nachdenken doch ideal ist, um das wenige Licht der Sterne perfekt einzufangen, ohne dass das Bild zu sehr rauscht. Das Resultat sah dann so aus:

 

Daraus habe ich dann nicht nur gelernt, dass die Erde sich dreht, sondern auch, dass zwanzig Minuten Belichtungszeit für Sterne entschieden zu viel sind. Beides hätte man sich sicherlich auch vorher denken können, aber meinem Experimentier- und Erkundungswillen hat dieser Rückschlag keinen Dämpfer gegeben. Dann schon eher, dass ich 70 Dollar für eine Fernbedienung ausgegeben habe, deren Nutzen nun fragwürdig ist…

Ich erspare Euch jetzt mal die endlosen Beschreibungen meiner erfolglosen Versuche, die Sterne aufs Papier zu bannen. Ebenso wie die ungezählten schlechten Photos, die natürlich auch schon längst gelöscht sind. Stattdessen komme ich zum letzten Schritt und der Erkenntnis, dass man die Blende („aperture“ ist, glaube ich, der englische Name) so weit nur möglich öffnen und den ISO-Faktor halt erhöhen und das damit verbundene Bildrauschen in Kauf nehmen muss. Und dann sehen die Bilder auf einmal so aus:

 

Hier zu erkennen: ein Stern. Denn unten ist Mars und links Saturn, also Planeten und keine Sterne. Dass ich dies weiß, habe ich allerdings dem gemeinsamen Lernen mit anderen (genauer gesagt Nicolas, der in späteren Einträgen noch eine tragende Rolle spielen wird) und ganz tollen Smartphone-Apps zu verdanken.

Am gleichen Abend habe ich dann auch noch das Sternbild aufgenommen, dass nicht nur die australische Flagge, sondern auch das gesamte Land ziert – das Kreuz des Südens bzw. Southern Cross.

Und weil es neben den Sterne ja auch noch mehr am Nachthimmel zu sehen gibt, habe ich mich natürlich auch ausgiebig damit beschäftigt, den Erdtrabanten einzufangen. Hier eines von vielen gelungenen Bildern.

Ich habe sicherlich noch viel zu lernen, wenn es darum geht, die drei Millionen Funktionen meiner Kamera angemessen und optimal zu nutzen. Aber ein wenig stolz bin ich schon auf diese kleinen Erfolge und das damit einhergehende Verständnis der Prinzipien, auf denen die Photographie beruht.

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One Response to “Photographierender Autodidakt”

  1. christiane.Kirschbaum sagt:

    Lieber Christoph,

    danke fuer die Ameisenkarte!!!

    Much appreciated.

    Habe Dir gerade ein kleines e-mail geschickt,was Dich hoffentlich erreicht.

    Gruss

    Christiane

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