Totkranker Camper

Diest ist das Dach von Serenity am Morgen des ersten August. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich eigentlich in Darwin sein, war aber noch unterwegs. Und ja, das ist Frost auf dem Dach. Frost, der mir an jenem Tag nicht viel ausgemacht hat. Aber vorher, nun vorher hat mich die Kälte so richtig erwischt.

Mit dem Campen ist das so eine Sache. Bei schönem Wetter ist es wunderbar, auch wenn man sich daran gewöhnen muss, im Prinzip mit Einbruch der Dunkelheit ins Bett zu gehen, weil man einfach nichts mehr machen kann. Mit einem Wohnmobil oder –wagen mag das anders aussehen, wenn man entspannt drinnen mit Licht sitzen kann und jede Menge Unterhaltungsmöglichkeiten hat, aber wenn man zeltet, und dann auch noch jede kleine Taschenlampe schon Unmengen Moskitos anlockt, muss die abendliche Bettlektüre leider ausbleiben. (Wobei es, im Auto schlafend, schon möglich ist, zumindest solange es kalt genug ist, dass man kein Fenster aufmachen muss.)

Aber gemeinsame Unternehmungen, Sightseeing womöglich, ist nicht mehr möglich. Vor allem, wenn es mit dem Verschwinden der Sonne schlagartig eiskalt wird, wie das im zentralen Australien im Winter nicht ungewöhnlich ist.

Als wir uns von Jürgen (siehe vorletzter Eintrag) verabschiedet haben, ging es diesem überhaupt nicht gut. Grippe, war seine Selbstdiagnose. Ich habe trotzdem geglaubt, dass mein Husten in Coober Pedy vor allem am Staub lag.

Aber schon am nächsten Abend, an der Farm neben der Painted Desert, ging es mir ziemlich dreckig. Ich habe mich allerdings nicht beschwert, sondern, dem Verweis meiner Mutter folgend, darauf gehofft, dass ich mich gesund schlafen könnte. Und immerhin habe ich in der Nacht auch erstmals nicht gefroren. Was allerdings wohl am Fieber gelegen haben dürfte.

Auch am nächsten Morgen habe ich mir tapfer noch nichts anmerken lassen und habe das normale Tagesprogramm mitgemacht, aber ab mittags ging es auch Mona so schlecht, dass wir beide einfach nicht mehr weiterkonnten und an der nächsten Raststätte gehalten haben, um dort zu campieren.

Ich bin erstmal schlafen gegangen und diese Gelegenheit haben Rosie und Nikki für ihre abenteuerliche Konstruktion genutzt, die ich beim Öffnen der Autotür dann umgeschmissen habe, wodurch die Tomatensauce überall verteilt war. (Vergleiche letzter Eintrag.)

Letzten Endes weiß ich nicht, was ich mir wie eingefangen habe. Ob es nun die nächtliche Kälte war, oder ob ich mich bei Jürgen angesteckt habe – Mona und ich haben mit Abstand am meisten mit ihm interagiert – es ging mir so schlecht wie selten. Und selbst eine simple Erkältung wird nicht besser, wenn man nachts eine Umgebungstemperatur um den Gefrierpunkt hat und dann tagsüber noch weiter fahren muss. Deswegen sind wir auch am nächsten Tag nicht wirklich weiter gekommen, sondern haben für ein Heidengeld auf einem furchtbaren Camping-Platz Station gemacht. Und das auch schon am sehr frühen Nachmittag.

Dort haben Mona und ich dann auch beschlossen, dass es so keinen Zweck mehr hat und dass es sinnvoller ist, zunächst nach Alice Springs zu fahren und den Abstecher zum Uluru und den anderen Sehenswürdigkeiten des „Red Centre“ erst zu machen, wenn wir wieder etwas besser zugegen sind. Denn krank macht Reisen wahrlich keine Freude, auch wenn uns die 400 Kilometer Umweg natürlich geärgert haben.

In Alice haben wir uns dann in ein Hostel eingebucht und haben uns dort langsam auskuriert. Es hat eine Woche gedauert, bis ich wieder halbwegs in der Lage war, andere Dinge als Schlafen, Rumliegen und Nichtstun zu machen. Ich kann mich ganz ehrlich gesagt nicht daran erinnern, wann es mir das letzte Mal so dreckig ging.

Zu allem Überfluss habe ich dann am Ende auch noch meine Stimme verloren und bin selbst nach der Weiterreise noch zehn Tage lang nur in der Lage, zu flüstern. Und auf dem Trip zum Uluru habe ich auch längst nicht so viel machen können wie gehofft, weil einfach noch nicht genug Luft in die Lunge kam. Aber Details dazu in einem späteren Eintrag.

Denn die Krankheit hatte auch etwas sehr positives! Durch die Woche Warten in Alice, sind wir Rosie und Nikki schon früher als erhofft losgeworden und konnten dann den nächsten Trip ohne diese beiden Ausgeburten der Hölle machen. Und das hat die verlorene Woche nahezu wert gemacht.

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2 Responses to “Totkranker Camper”

  1. J. G. aus B. am R. in B. Teil von Good old G. (auch wenn letzteres nicht mehr alle wollen) sagt:

    Oh Mensch! Gute Besserung! Hoffe Du wirst bald wieder gesund!

  2. Danke für die Besserungswünsche, aber durch die Verspätung meiner Berichterstattung bin ich schon seit sechs Wochen wieder purzelgesund!

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