Die lieben Reisegefährten

Wenn man zwei Jahre in einem Land hauptsächlich mit Reisen verbringt, trifft man eine Menge Leute. Die meisten sind nur oberflächliche Bekanntschaften, die ganz schnell vergessen sind. Die meisten vergisst man auch gerne am nächsten Tag wieder, den leider gibt es mehr nervige Leute auf dieser Welt als nette. Aber man findet immer auch Leute, die einem sympathisch sind und deren Gesellschaft man schätzt, zumindest für eine kurze Zeit. Und gelegentlich gibt es sogar Leute, die zu echten Freunden werden und mit denen man auch liebend gerne gemeinsam reist und von denen man sogar weiß, dass man sie wiedersehen wird, wenn sich die Wege Down Under getrennt haben. Die beiden Engländerinnen, Rosie und Nikki, die in Adelaide in meinem Auto Platz genommen haben, gehören nicht zu dieser Sorte. Sie sind vielmehr das genaue Gegenteil: die schlimmsten Menschen, die ich hier je getroffen habe.

Rosie Thomas und Nicola „Nikki“ Bailey. Ich habe ihnen so viel zu verdanken. Zum Beispiel, das Wissen, dass egal wen ich jetzt noch treffe, mit wem ich jetzt noch zusammenreise, es kann nur besser werden. Die Tatsache, dass ich hier zum ersten Mal nicht nur Vornamen verwende, sondern den vollen Namen, dürfte Beweis genug sein. Dieser Artikel ist nicht nur ein Bericht oder ein lange Litanei von Beschwerden, er ist auch eine Warnung an alle anderen Australien-Reisenden, ja an die ganze Menschheit, diesen beiden Exemplaren aus dem Weg zu gehen.

Ich hatte schon so eine düstere Vorahnung, als ich auf ihre Gumtree-Anzeige reagiert habe. Irgendwie hat mir mein Gefühl gesagt, dass diese beiden nicht die Sorte Mensch sind, die man auf so einer Reise gerne dabei haben will. Mona, die mit den beiden in Perth telefoniert hat, da sie erst noch einfliegen mussten, war noch pessimistischer und vor allem sehr zögerlich, da sie schlechte Erfahrungen mit Engländerinnen als Reisebegleitung gemacht hat – was ich ja ganz anders erlebt habe.

Wir haben die beiden, gemeinsam mit Lok, in Adelaide am Flughafen abgeholt und von da an wusste ich, dass es nicht so einfach werden würde. Dick geschminkt, in viel zu engen Leggings, oberflächlich bis zum geht nicht mehr und mit großen rosa Koffern ausgestattet. Klar, das können trotzdem nette Menschen sein, deren Gesellschaft zum Erfolg der Reise beiträgt. Oder das habe ich mir zumindest versucht einzureden. Eigentlich war die Katastrophe schon vorprogrammiert. Denn Schminke und rosa Koffer passen einfach nicht zum Campen im Outback – und die Leute, die auf so etwas Wert legen, meist auch nicht. Aber gut, wir wollen sie nicht zu früh beurteilen und so sind wir dann gemeinsam aufgebrochen und ich habe einfach nur auf das Beste gehofft.

Aber natürlich vergeblich. Dass Leute meinen Musikgeschmack nicht teilen, kann ich ja noch verstehen. Dass sie allerdings nicht einen der knapp 100 Künstler auf meinem iPod kennen, zeugt nur von Ignoranz. Aber tolerant wie ich nun mal bin, habe ich mich auch darauf eingelassen, im Auto die Musik von Rosie – Nikki war eher unbeteiligt – anzuhören. Meine Ohren haben ungefähr drei Minuten später angefangen zu bluten. Wobei man vielleicht dazu sagen muss, dass mir dies meist bei so populärem Kram geht.

Wir hatten Adelaide kaum verlassen, als Rosie angefangen hat davon zu jammern, dass wir nicht nach Port Lincoln fahren. Dies hätte sie gerne gemacht – aber wir hatten schon im Vorfeld besprochen, dass es nicht auf der Agenda stehen würde, da es ein sehr großer Umweg wäre und sich außer den beiden niemand dafür interessiert. Das hat sie jedoch nicht davon abgehalten, tagelang von wenig anderem zu sprechen als davon, dass es ihr großer Traum für den Aufenthalt in Australien gewesen sein, dort in einem Käfig mit den Haien zu tauchen.

Ich habe dies als Vorwurf aufgefasst und entsprechend reagiert beim ersten Mal, aber spätestens beim siebten Mal habe dann auch ich begriffen, dass sie einfach nicht in der Lage ist, mehr als einen Gedanken gleichzeitig im Kopf zu haben und dass sie deswegen alles in der immer wieder gleichen Art wiederholt. Besonders toll auch ihre ungefähr elf Nachfragen, ob wir denn zu den Devils Marbles fahren und wann wir denn wohl dorthin kämen. Kurz nach Coober Pedy, immer noch mehr als 1500 Kilometer von dort entfernt, ist mir dann darüber etwas der Kragen geplatzt.

Nun ist Dummheit und Ignoranz ja nicht strafbar. Sollte sie aber manchmal sein. Vor allem wenn sie in einem kompletten Desinteresse an allem, was nicht im Lonely Planet als Highlight angepriesen wird, resultiert. Und das war bei beiden der Fall – sie haben sich ganz einfach für nichts interessiert. Traumhafte, weite Landschaften, durch die man fährt? Nein, da schlafe ich lieber während der ganzen Fahrt. Interessante, lokale Geschichte? Viel zu schwer zu verstehen. Andere Kulturen? Die machen nur Angst. Nikki war angesichts des Aussehens und Auftretens von Jürgen richtig ängstlich und hat ernsthaft damit gerechnet, dass er uns nachts alle umbringt. Wenn man sein Weltbild aus schlechten Horrorfilmen ableitet, verpasst man so einiges.

Die beiden Engländerinnen waren also extrem nervig und, ganz einfach gesagt, strohdoof, aber das alleine hätte nicht ausgereicht, mich zu diesem Erguss zu bewegen. Das Allerschlimmste war ihre Art, mit der Reise umzugehen. Sie haben keinen Finger gerührt, wenn es um Planung und Organisation ging. Sie sind ins Auto eingestiegen und haben erwartet, dass ihnen alles vorgesetzt wird. Und hinterher haben sie sich beschwert, wenn es ihnen nicht gefallen hat. Der Verweis, sie sollten dann auch mal vorher sagen, was sie machen sollten, hat nur dazu geführt, dass Rosie noch acht weitere Male erwähnt hat, sie wolle die Devils Marbles sehen und wann wir denn dort seien.

In allen weiteren Bereichen war eigentlich auch schnell klar, dass weder Nikki noch Rosie für so eine Reise gemacht waren. Alles vom Kochen auf einem Gaskocher bis hin zum Mitnehmen von ausreichend Trinkwasser hat sie überfordert. Sie haben nichts verstanden, nichts alleine machen können, und außerdem so unendlich viele Dinge einfach grundlegend falsch gemacht, dass selbst meine eigentlich unendliche Geduld irgendwann überstrapaziert wurde. Was für ein Leben muss man eigentlich geführt haben, wenn man noch nicht einmal auf die Idee kommt, die zweite Öffnung eines 10-Liter-Wasserkanisters zu öffnen, um daraus etwas rauszugießen, sondern stattdessen versucht, das Wasser aus diesem rauszupressen?

Dieser Umgang mit dem Eigentum anderer Leute – in diesem Fall, meinem – war auch sonst ständig zu sehen und hat vor allem Mona in den Wahnsinn getrieben. Nun waren viele Sachen der Camping-Ausrüstung, die ich mit meinem Auto gekauft habe, nicht gerade die besten und auch nicht mehr ganz neu, aber trotzdem hätte ich sie gerne intakt wiederbekommen, und idealerweise auch an dem Ort wiedergefunden, wo andere sie weggenommen haben. Das hat allerdings leider auch mit anderen Reisegefährten überhaupt nicht geklappt.

Aber so blöd zu sein, dass man ein offenes Glas Tomatensauce auf zwei offenen Boxen mit diversen anderen Sachen abstellt, und diese ganze Konstruktion dann noch hinter einer sich öffnenden Tür zu platzieren, nun da gehört schon einiges dazu. Sich dann aber noch nicht mal für seine Dummheit zu entschuldigen, da hört bei mir der Verstand auf. Wenn ich dann allerdings am nächsten Morgen die Sachen durchgehe und feststelle, dass sie noch nicht einmal die Tomatensauce weggeputzt haben und ich jetzt andere Sachen nur noch wegwerfen kann, während ganz viel völlig verklebt ist, nun dann werden bei mir schon mal Mordgelüste wach.

Dies ist nur die Hälfte der Geschichten, die anfangen würden ein Bild von diesen beiden Reisegefährtinnen zu zeichnen. Aber irgendwann muss es dann auch mal genug sein. Habe ich mir jedenfalls gedacht, als sich unsere Wege zum Glück schon in Alice Springs und nicht erst in Darwin getrennt haben. Wegen Umständen, auf die ich am Donnerstag eingehen konnte, habe ich allerdings bei der Fahrt nach Alice rein das Auto nicht volltanken können, sondern dies erst ein paar Tage später gemacht. Mir das Geld dafür zu geben haben Rosie und Nikki sich geweigert. Sie sind also nicht nur schlechte Reisegefährten, sondern auch schlechte Menschen.

Was dem ganzen dann noch die Krone aufgesetzt hat: als wir im Anschluss nach dem Aufenthalt in Alice das erste Mal mein Zelt (in dem ich allerdings noch nie geschlafen habe, da ich ja ein Bett im Auto habe) aufgebaut haben, sind uns die Brandlöcher im Boden aufgefallen. Lok hat dann schließlich damit herausgerückt, dass diese daher kämen, dass die beiden Engländerinnen dort mit einem Gaskocher versucht hätten, das Zelt zu wärmen. Ich denke, dass fasst diese beiden Personen ganz gut zusammen: zu blöd zum Atmen, ungeeignet fürs Outback, und einfach nur schlimme Menschen, denn sie hätten ihren Fehler ja wenigstens mal eingestehen können. Eigentlich fast schade, dass nicht das ganze Plastik-Zelt Feuer gefangen hat und ihre rosa Koffer mit abgebrannt sind.

Und hier schließlich noch ein Blick auf diese beiden, damit man auch wirklich gewarnt ist. Zunächst Rosie, da sie ja noch deutlich schlimmer ist:

Und hier Nikki, der ja immerhin zuzutrauen ist, ohne ihre Begleiterin den Mindeststandards menschlichen Miteinanders zu genügen.

Seitdem habe ich einige andere Leute in meinem Auto mitgenommen und während sie alle so ihre Ecken und Kanten hatten, waren sie auf jeden Fall eine große Steigerung gegenüber diesen beiden. Wenn ich sie nie wieder sehe, ist das noch früh genug. Aber wenn ihnen jemand begegnet: sie schulden mir noch 100 Dollar.

 

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2 Responses to “Die lieben Reisegefährten”

  1. J. G. aus B. am R. in B. Teil von Good old G. (auch wenn letzteres nicht mehr alle wollen) sagt:

    Also wir kennen uns ja nun schon eine ganze Weile, aber ich glaube ich habe Dich noch nie mitbekommen dass Du Dich (so) negativ über einen anderen Menschen geäußert hast. (Das soll jetzt, auch wenn es wahrscheinlich nicht so klingt, ein Kompliment sein.)
    Also kann ich nur davon ausgehen, dass dies wirklich objektiv die schlimmsten Mitreisenden in Existenz sein müssen.

    Ich werde mich auch in den nächsten Tagen mal wieder per Mail melden (ich habe schon ein ganz schlechtes Gewissen) insbesondere, das größere Events einen Schatten voraus werfen oder auch nicht, bei denen Du eventuell eine wichtigere Rolle spielen könntest. (Geht es noch kryptischer? Aber ich denke Du könntest mich verstanden haben.)

  2. Danke für das Kompliment und auch ohne die Mail gelesen zu haben, glaube ich, verstanden zu haben…

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