Wie bin ich denn hier gelandet?

Es ist 22:15. Das wäre nicht weiter relevant, wenn es nicht bedeuten würde, dass es in Deutschland jetzt 14:45 ist. Ich bin jetzt nämlich in South Australia und damit in einer anderen, etwas abwegigen, Zeitzone. Ob ich mich jemals an 7,5 Stunden Zeitverschiebung gewöhnen werde? Wahrscheinlich eher nicht, aber es sieht so aus, als würde ich diese jetzt eine ganze Weile “genießen” können. Und nicht, weil ich langfristig in Port Willunga bleiben will. Moment Mal, Port Willunga? Wo bitteschön ist das denn? Habt Ihr noch nie gehört? Ich bis Montag auch nicht, und jetzt bin ich seit Dienstag hier. Und das kam so:

Als ich letzte Woche in den Grampians war, habe ich dort unter anderem auch Bec kennengelernt. Bec ist Australierin, arbeitet im Hostel in den Grampians für die Unterkunft während sie sonst dort das Leben in der Abgeschiedenheit und Natur genießt. Sie ist außerdem unglaublich nett. Und ist in Adelaide aufgewachsen und hat mir bei der gemeinsamen Wanderung (siehe letzter Eintrag) das Ferienhaus ihrer Familie als Unterkunft angeboten, während ich in der Hauptstadt Südaustraliens weile. Ich fand das ausgesprochen nett, hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass sie nachdem ich Freitag (am 6. Juli, ich bin mit meinen Blog-Einträgen mal wieder sehr hinterher) zurück nach Melbourne gefahren bin, mich am Wochenende zweimal fragen würde, wann ich denn kommen würde.

Ehrlich gesagt war ich in Melbourne zu beschäftigt, um groß über meine Reise nachzudenken. Ich wollte noch ein letztes Mal die Stadt und die Gesellschaft meiner Freunde dort genießen. Freitag Abend war ich mit Amanda und Valerie libanesisch essen – für weniger als $20 für drei Personen die günstigste Gourmet-Kost, die ich je genossen habe. Samstag wollte ich Tourist spielen, habe dann aber lieber erstmal noch mit Mark und Doosh zu Mittag gegessen und dann von letzterem nahezu tränenreich Abschied genommen. Doosh hat mir angeboten, wenn ich doch in Melbourne bleiben wollte, könnte ich bei ihm zur Untermiete wohnen. Wenn man weiß, wie sehr er seine Privatsphäre schätzt, kann man beginnen einzuschätzen, was das bedeutet. Außerdem hat er mir angeboten, in der Woche vor meinem Abflug aus Australien kostenlos bei ihm wohnen zu können. (Ich schreibe das hier nur alles rein, falls er sich im Oktober nicht mehr daran erinnert.)

Dann habe ich noch ein paar Fotos von Melbourne gemacht und war bei der Lesung des Theaterstücks von Thomas Banks. Tom ist regulärer Gast des Hostels, praktisch jedes Wochenende da, und kennt uns alle gut, genau wie wir ihn. Tom hat zerebrale Kinderlähmung und ist deswegen etwas schwer zu verstehen, aber offensichtlich ein sehr aufgeweckter, netter und interessanter Mensch. Außerdem ist er schwul. Und hat ein autobiographisches Theaterstück geschrieben, in dem er seine Suche nach Liebe dokumentiert. Ich bin echt froh, da hingegangen zu sein, hat es mir doch nochmal auf sehr deutliche, aber nicht unangenehme Weise nahe gebracht, dass in diesem offensichtlich Behinderten ein ganz “normaler” Mensch mit den gleichen Wünschen und Zielen steckt – was ja doch sehr leicht zu vergessen ist. Das Stück lässt sicherlich noch einiges zu wünschen übrig, aber gut war es trotzdem und ich bin gespannt wie es aussieht, wenn es über die erste Fassung hinaus gewachsen ist.

Samstag Abend war ich dann bei Kritins Geburtstagsparty eingeladen und habe entschiedenzu viel gegessen und ein wenig zu viel getrunken. Er hatte zwar erst zwei Tage später Geburtstag, aber wir haben ihn trotzdem angemessen gefeiert, denke ich.

Sonntag war ich mit Mark und Khy bei den Newport Lakes, drei sehr idyllischen Seen mitten in der Stadt wo man den Verkehr und Lärm gut vergessen kann. Abends war ich mit Amanda und Liz unterwegs um mit dem ein oder anderen Drink meinen Abschied von Melbourne zu begießen und, deutlich wichtiger, Amandas letzten Arbeitstag zu feiern – was dann allerdings eher in einem gegenseitigen Bemitleiden und Probleme im Alkohol ertränken endete.

Montag habe ich dann beschlossen, dass ich Dienstag wirklich abreise. Vorher habe ich noch Simon, den neuseeländischen Schlagzeuger (und Lehrer) ,den ich Anfang des Jahres in meinem Hostel-Zimmer getroffen habe, zum Mittagessen getroffen und war mit Valerie bei Nils und Jing-Ja um deren Wohnung bzw. Zimmer zu sehen und mit ihnen zu Abend zu essen. Dann zurück in die Stadt, noch mal zu Kritin, um auch an seinem Geburtstag anzustoßen – in diesem Fall mit einem Riesling von Schloss Vollrads, ab und zu muss man sich oder anderen ja etwas gönnen – und dann ins Hostel, wo ich dann irgendwie mit Khy, Victor, Amanda und zwei anderen Leuten, die ich nicht kenne und deren Namen ich schon wieder vergessen habe, irgendwie bis 6 Uhr morgens zusammengesessen habe.

Das waren jetzt eine Menge Namen, aber einige habe ich ja schon mal erwähnt…

Dienstag bin ich jedenfalls um 9 aufgestanden, habe meine Sachen gepackt und ins Auto geladen, bin Duschen gegangen, habe mich vom Management des Hostels sowie Nicola und Aimee (die ich heiraten kann, falls ich in Australien bleiben will; allerdings muss ich dafür noch 1000 Ziegen auftreiben) verabschiedet und bin dann, da Bec mir angeboten hat mich am Abend in Port Willunga zu treffen, um mir das Haus zu zeigen und zu erklären, wie alles funktioniert, die 800 Kilometer durchgefahren.

Und damit will ich heute enden. Wie es weitergeht wird an dieser Stelle in 24 Stunden zu lesen sein – am Montag Abend, 7,5 Stunden vor deutscher Zeit.

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