Man soll gehen, wenn’s am Schönsten ist

Man soll gehen, wenn’s am Schönsten ist. Nach diesem Grundsatz hätte ich Melbourne schon vor einigen Wochen verlassen sollen, als es mir so gut wie nie ging. Allerdings gab es dann doch noch gewisse Verpflichtungen, auch bekannt als Arbeit, und außerdem konnte ich ja nicht ahnen, dass ich mal wieder einige Dinge nicht unbedingt besser machen würde. Aber wie dem auch sei, schön ist es immer noch und so ist es dann jetzt auch an der Zeit zu gehen.

Melbourne hat mich nahezu komplett assimiliert. Ich war vorhin beim Friseur und habe danach zu hören bekommen, ich hätte jetzt einen sehr “Melbournian hair cut”. Neu eingekleidet war ich schon. Aber es sind nicht nur die Äußerlichkeiten, mit denen ich mein Bekenntnis zu dieser Stadt zur Schau stelle. Ich habe mich auch geistig voll auf das Leben hier eingestellt. Aber es war ja immer klar, dass es nur eine Episode bleiben würde und somit werde ich die Stadt morgen verlassen. Es geht – hoffentlich – nach Echuca, wovon noch nie irgendjemand gehört hat und wo niemand hinfährt. Es ist nur ein kurzer Ausflug, am Freitag bin ich schon wieder zurück. Aber diese Trennung auf Zeit ist genau das, was ich gerade brauche. Eine Gelegenheit, die schönen Erinnerungen zu konservieren und gleichzeitig sich gedanklich etwas von Melbourne zu befreien und auf das Reiseleben wieder einzustellen. (Und natürlich ein paar Bilder zu machen, eventuell sogar von meiner neuen Frisur.) Eigentlich hatte ich das ja schon am Sonntag vor, aber die Fahrt nach Wilsons Prom ist leider daran gescheitert, dass alle abgesagt haben. Ernüchtern, aber so läuft das Leben manchmal. Immerhin hatte ich auf die Art und Weise noch zwei Tage mehr Zeit, über den Namen meines Autos nachzudenken. Und habe es jetzt benannt, auch wenn die Taufe noch nicht erfolgt ist.

Ich habe mich entschieden, die Ratschläge von allen Leuten zu ignorieren und die Vorschläge gar nicht erst in Betracht zu ziehen, auch wenn ich von Michiko sehr in Versuchung geführt war. Der Pajero heißt also ab sofort “Serenity”. Denn wenn es etwas gibt, was ich gerade gute gebrauchen kann, abgesehen von drei Tagen Abwesenheit aus Melbourne, dann ist es serenity, also Gelassenheit. Die verstecke Bedeutung ist da ja gar nicht mehr relevant.

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