Jungfernfahrt

Wenn Schiffe das erste Mal die Anker lichten, werden sie vorher getauft. Jungfernflüge neuer Linienflugzeuge verursachen großen Medienansturm. Als ich das erste Mal mit meinem neuen Auto gefahren bin, war dies die Überführungsfahrt von St Kilda, wo ich es abgeholt habe, nach North Melbourne. Die zweite Fahrt führte mich in die Werkstatt. Die dritte zur Zulassungsbehörde. Danach war es dann auch wirklich richtig *mein* Auto und somit hatte ich beschlossen, für den nächsten Tag, den letzten Samstag, die “offizielle” Jungfernfahrt anzusetzen, um mein Auto gebührend einzuweihen.

Vorher sollte es allerdings noch einen Namen bekommen. Allerdings habe ich mich bis jetzt nicht auf einen Namen festlegen können. Dies ist schließlich eine folgenschwere Entscheidung! Seinem Erstgeborenen würde man ja auch nicht den erstbesten Namen geben. Deswegen trägt mein blauer Mitsubishi Pajero auch immer noch keinen Namen. Stattdessen habe ich bei facebook um Vorschläge gebeten. Die Resonanz war genauso überwältigend wie ineffizient. Deswegen jetzt also auch hier der Aufruf, doch bitte unbedingt Namen vorzuschlagen. Eine Tendenz gibt es, aber die behalte ich vorerst für mich. Um die Benennung einfacher zu machen, hier die ersten Bilder. Sie sind nicht sonderlich gelungen, da nur auf die Schnelle direkt vor dem Hostel gemacht, aber um einen Eindruck von meiner Bestie zu vermitteln, sicherlich ausreichend.

Mein Plan war es, aus der Stadt rauszufahren und etwas in der Umgebung zu sehen. Irgendetwas mit Natur, damit ich neben dem Auto auch die neue Kamera etwas weiter einweihen konnte. Ich wollte allerdings nicht alleine fahren, und so habe ich so ziemlich jeden, der mir über den Weg gelaufen ist, gefragt, ob er oder sie mitkommen will. Freitag Abend hatte ich schon aufgegeben, als ich dann doch noch Nils, seine Freundin Jing-Ja sowie die beiden für die Unterkunft hier arbeitenden Valerie und Amanda überzeugen konnte, sich zu trauen, bei mir mitzufahren. Besonders Valerie war von der Idee direkt sehr angetan und hat angefangen, sich Gedanken über mögliche Ziele zu machen. Die Entscheidung ist dann aufs Mornington Peninsula gefallen. Dort gibt es nicht nur den netten kleinen Ort Mornington, den ich schon von der Reise mit meiner Mutter kenne, sondern auch ganz viele Weingüter. Und bei einem davon wurde mir sehr empfohlen, Pizza essen zu gehen. Was natürlich bei den anderen “Backpackern” direkt für Begeisterungsstürme gesorgt hat! Wein und Pizza, was will die liebe Seele mehr?

Da Valerie (die aus Taiwan kommt und sich diesen Namen in typischer Asiaten-Manier nur zugelegt hat, da wir westlichen Leute die chinesischen Namen nie aussprechen können) bis 12:30 arbeiten musste, sind wir Samstag deutlich später losgekommen, als ich ursprünglich angedacht hatte. Das Wetter war allerdings traumhaft und eine Lektion war ganz schnell gelernt: das Auto lässt sich ganz wunderbar fahren. Allerdings hatte ich schon etwas darauf gebaut, dass sich irgendjemand der anderen vier etwas um die Routenfindung kümmern würde. Glücklicherweise bin ich ja schon länger in dieser Gegend und kenne mich ganz gut aus, denn ich war nicht nur als Fahrer, sondern auch als Navigator gefordert.

Die Enttäuschung, als wir dann (nach einem klitzekleinen Umweg) auf der Halbinsel ankamen und es praktisch in diesem Moment anfing zu regnen, war natürlich gewaltig. Das Weingut war trotzdem sehr nett. Leider allerdings auch so beliebt, dass alle Tische besetzt waren. Doch eine der Kellnerinnen versprach, uns sofort Bescheid zu sagen, wenn ein Platz frei würde. Wir könnten ja derweil schon mal den Wein probieren.

Gesagt, getan. Außer für mich natürlich. Aber die Weine waren wohl sehr gut. Weniger gut war die Tatsache, dass wir alle inzwischen sehr am Hungertuch nagten und immer noch auf einen Tisch warteten. Als dann endlich nach gefühlten zwei Stunden – auf die Wanderung durch die Reben haben wir angesichts des strömenden Regens verzichtet – einer frei wurde und wir uns darauf gestürzt hatten, konnten wir es kaum mehr erwarten, die exzellent klingenden Pizzen zu bekommen. Diese konnten wir allerdings nicht mehr bestellen, da die Küche nun geschlossen war. Unsere Enttäuschung kannte keine Grenzen. Hier nun eines der fünf Bilder, die ich während des Ausflugs gemacht habe: niedergeschlagen schlurfen meine Reisebegleiter zurück zum Auto.

Ich konnte es natürlich nicht hinnehmen, dass die Jungfernfahrt so ins Wasser fallen sollte und hatte vorgesorgt. Mit Chocolate Chip Cookies haben wir uns über Wasser gehalten, während ich nach Mornington gefahren bin, wo wir dann auch noch eine offene Pizzeria gefunden haben und so um halb fünf ein etwas verspätetes Mittagessen hatten. Im Anschluss sind wir direkt zurückgefahren und auch wenn der Ausflug nicht so überragend interessant war, wie ich mir das erhofft hatte, und die Foto-Ausbeute sehr kläglich ist, so war es doch trotzdem ein netter Tag und für mich vor allem sehr beruhigend nun zu wissen, dass der Motor meines Autos nicht nach fünfzig Kilometern explodiert. Ganz abgesehen davon, dass der Benzinverbrauch nicht ganz so schwindelerregende Höhen erreicht, wie ich befürchtet habe. Das ist allerdings auch gut so, denn morgen kommt das Auto (ich brauche wirklich dringend einen Namen!) schon wieder in die Werkstatt um die Kupplung austauschen zu lassen. Ich wusste schon vor der Kauf, dass dies gemacht werden müsste. Hätte ich allerdings gewusst, wie teuer das wird, hätte ich es mir sicherlich noch mal gründlich überlegt.

Aber gut, ich bin trotzdem alles in allem mit dem Kauf zufrieden und nun auch sehr optimistisch, dass mir der Wagen in den nächsten vier Monaten treue Dienste leisten wird. Der nächste Ausflug ist auch schon geplant. Mit einigen Kollegen werde ich Sonntag und Montag zu Wilson’s Promontory fahren und dort dann auch mein Camping-Equipment ausprobieren können. Das alles dann mit dem Auto in bester Verfassung und hoffentlich auch nicht mehr namenslos. Der Sekt für die Taufe ist jedenfalls schon kaltgestellt.

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4 Responses to “Jungfernfahrt”

  1. Charlotte sagt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Nur_noch_60_Sekunden
    s. Abschnitt “Fahrzeuge”. Mitsubishi Pajero ist leider nicht dabei, aber vielleicht gefällt dir was anderes.

  2. philip sagt:

    Hallo Christoph,
    ich schreib ja nicht oft zu Deinem Blog, aber ich habe jetzt gerade Deine Namensproblematik mitbekommen und da kenne ich mich aus: Habe in den letzten fast 20 Jahren alle meine Fahrzeuge benannt. Folgende Kriterien sind wichtig:
    1. Männerautos bzw. -fahrzeuge haben Frauennamen!
    2. Der Name sollte aus dem Land des Herstellers sein.
    3. Es gibt keine blöden Namen, man muss nur erklären können wie er zustande kam.
    Folgende Vorschläge habe ich für Dich:
    - Kaiserin ist immer gut: http://www.welt.de/print-welt/article684982/Japans-Kaiserinnen.html
    - Adel ist aber eigentlich out. Also: http://www.hanamachi.de/27%20Beruehmte%20Geishas.html#sadayakko
    - Oder Sportler: http://de.fifa.com/tournaments/archive/womensworldcup/germany2011/teams/team=1883723/squadlist.html
    - Oder einfach hier einen aussuchen und sich eine überzeugende Geschichte überlegen: http://www.beliebte-vornamen.de/3067-japanische.htm

    Viel Erfolg und viele Grüsse
    Philip

  3. Hi Philip,
    das ist mit Abstand die größte Mühe, die sich irgendjemand gegeben hat! Wenn ich Dich das nächste Mal besuchen komme, gebe ich Dir mindestens ein Bier aus! ;-)
    Aber ich dachte immer, dass das mit den Frauennamen nur für Schiffe gilt? Ich bin immer noch nicht überzeugt davon, dass mein Auto einen “menschlichen” Namen tragen sollte. Aber ich werde die Listen auf jeden Fall mal studieren. Hast Du denn schon mal ein japanisches Auto benannt?

    Viele Grüße und vielen Dank,
    Christoph

  4. philip sagt:

    Hi Christoph,
    hatte noch nie ein japanisches Auto. Nur ein Motorrad von Honda und das hieß Mitsiko.
    Freu mich auf das Bier!
    Grüsse Philip

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