Wie gewonnen, so zerronnen

Nichts im Leben ist konstant. Nichts bleibt. Alles ändert sich, manchmal zum Guten, manchmal zum Schlechten. Die meisten Veränderungen sind sowohl Gewinn als auch Verlust. Diese und andere Gedanken schwirren mir dieser Tage im Kopf herum, während mein Abschied von Melbourne näherrückt. Abschied von Melbourne, fragt Ihr? Aber ja, das habe ich doch immer wieder betont. Ich wollte doch nur den Sommer hier verbringen. Gut, jetzt sind es am Ende mehr als 9 Monate geworden. (Ja, wirklich so lange, wenn man mal von kleineren oder größeren Ausflügen absieht.) Und danach noch die Hälfte des Kontinents sehen, die ich bisher noch nicht erkundet habe. Den wilden Westen, wo sich deutlich weniger Reisende hin verirren und wo die Natur noch unberührt ist vom Massentourismus. Dafür leidet sie unter den Bodenschätzen, die dort in Masse gefördert werden. Aber das Land ist so weit und so dünn besiedelt, dass man trotzdem noch an scheinbar unbekannte Orte kommen kann.

Man kann es herauslesen, ich freue mich darauf, diesen Teil des Landes zu sehen. Aber gleichzeitig will ich Melbourne auch nicht verlassen. Denn auch wenn ich meine Arbeit (und vor allem die Arbeitszeiten) mehr als leid bin, so fühle ich mich doch sehr wohl hier und regelrecht heimisch. Ich habe Freunde gefunden. Ich habe ein neues Hobby. (Oder auch zwei.) Und ich habe einen Arbeitsplatz, an dem ich mich echt wohlfühle. Dass die Stadt mir gefällt, versteht sich wohl von selber, wo ich doch so lange hier geblieben bin. All das sind Dinge, die ich vermissen werde. Und Dinge, die mir den Abschied, trotz der Sehnsucht nach dem Reisen und dem Erkunden neuer, unbekannter Ziele, doch sehr schwer machen.

Und da ich in solchen Situation dazu neige, Entscheidungen vor mir herzuschieben und die Eventualitäten endlos abzuwägen, habe ich dann vor zehn Tagen die Entscheidung einfach mal übers Knie gebrochen, Nägeln mit Köpfen gemacht, und mir jeden Rückweg verbaut. Klingt negativ? Was es aber ganz sicher (hoffentlich) nicht.

Ich habe schon seit geraumer Zeit jemanden gesucht, mit dem ich einen Roadtrip an die Westküste machen kann. Habe dafür auch eine Anzeige ins Internet gestellt. Aber statt den erhofften Dutzenden Kandidaten, habe ich glücklich eine Rückmeldung bekommen. Habe mich dann mit der Französin Camille schon vor einigen Wochen getroffen und ihr meine Reisepläne erläutert. Sie war auch sehr angetan davon und hatte ähnliche Vorstellungen, allerdings stand ein kleines, winziges, unüberwindbares Hindernis im Weg. Ich war (und bin) der Meinung, dass man den Westen nur mit einem eigenen Auto “richtig” sehen kann. Es gibt einfach keine vernünftigen Möglichkeiten, mehr als die größeren Städte zu sehen, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Und somit war Teil meiner Reiseplanung auch ein gemeinsamer Autokauf. Was Camille eindeutig zu viel war.

Ich kann ihr daraus auch keinen Vorwurf machen. Als ich mal darüber nachgedacht habe, ist mir klar geworden, wie absurd es ist, mit jemaden, den man kaum kennt, eine so große Verpflichtung einzugehen. Denn man kann dann ja schlecht nach zwei Wochen sagen: “Ach, so gut verstehen wir uns doch nicht, lass uns lieber getrennter Wege gehen.” Ich musste meine Pläne also ändern und dann geriet ich noch in diese Nostalgie für mein derzeitiges Leben. Eine verflixte Situation, die ich vor nunmehr zehn Tagen ganz einfach gelöst habe.

Ich habe nämlich alleine ein Auto gekauft. In einer sehr fragwürdigen Transaktion habe ich von einem holländischen Backpacker einen 17 Jahre alten Mitsubishi Pajero übernommen. Hat mich einen guten Teil meines hart verdienten Gelds gekostet – daher der Titel dieses Eintrags. Und ich hatte auch bis zuletzt Bedenken. Zum Glück hat Doosh mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden, hat sich das Auto angeschaut, mich auf mögliche Probleme hingewiesen. Und seine generelle Zustimmung zu dem Kauf geäußert.

Trotzdem war ich natürlich tierisch nervös. Ich habe in gewisser Hinsicht die Katze im Sack gekauft und da ich echt nicht wusste, was folgt, habe ich die Neuigkeiten erstmal geheim gehalten. Wollte ja nicht als der komplette Idiot da stehen, der gerade seine ganzen Ersparnisse in ein Auto investiert hat, dass dann noch nicht mal die Straßentauglichkeitsprüfung besteht…

Aber jetzt ist das geschafft, der Kauf abgewickelt, das Auto umgeschrieben, und die erste Probefahrt (mehr dazu im nächsten Beitrag, dann auch mit Fotos) auch erfolgreich überstanden. Ich kann mich nun also stolzer Autobesitzer nennen. Und kann mit meinem 4-Wheel-Drive bald durchs Outback heizen, sobald ich die Kupplung habe reparieren lassen. Aber das sollte nur noch eine (leider recht teure) reine Formsache sein. Camping-Ausrüstung war auch noch mit dabei. Alles in bester Ordnung und jetzt kann mich auch nichts mehr von dem epischen Roadtrip durch das halbe Land abhalten. Auch wenn das den Abschied aus Melbourne nicht unbedingt einfacher macht. Aber ich weiß ja jetzt auch, dass ich im Oktober wieder hier sein werde. Schließlich muss das gute Stück ja auch wieder verkauft werden. Hoffen wir mal, dass ich bis dahin immer Mitreisende finde, die mir helfen, die gewaltigen Bezinkosten zu stemmen. Ich vermute aber mal, dass dies nun bedeutend einfacher sein wird. Auch wenn niemand mit mir reisen will, mit meinem Auto wollen alle mit!

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