Ein ganz neues Leben, die Dreiundzwanzigste!

Zugegeben, es ist vielleicht (noch) nicht die dreiundzwanzigste Aufnahme dieser Szene, aber es ist auf jeden Fall mal wieder eine Umstellung und ein Neubeginn und eine Chance. Und es ist auch wirklich ein ganz neues und anderes Leben, auch wenn der Film immer noch in Melbourne spielt und die meisten Protagonisten auch noch dabei sind. Der Unterschied ist nur: ich habe einen Job. So einen richtigen, mit Vollzeitbeschäftigung, Urlaub, offizieller Einarbeitung und vor allem Bezahlung. Mit anderen Worten: all das, wonach ich seit Monaten (mehr oder weniger aktiv) gesucht habe.

Ja, wie konnte das passieren? Und vor allem: was für ein Job ist es denn nun bitte eigentlich endlich? Berechtigte Fragen, die ich nun versuchen werde kurz und knapp zu beantworten. Wer diesen Blog schon etwas länger liest, weiß, dass dies nicht gelingen wird. Aber manchmal sind 10000 Worte einfach nötig.

Es sind ja inzwischen einige Wochen ins Land gegangen, seit ich das letzte Mal geschrieben habe. Relativ direkt nach dem ich die Bilder aus Melbourne online gestellt habe, habe ich sehr netten Besuch bekommen und bin dann knapp vier Wochen in Begleitung meiner Mutter in Australien unterwegs gewesen. Wir sind nach Brisbane geflogen und dann zurück nach Melbourne gefahren – eine spannende Reise mit vielen interessanten Ereignissen und Erlebnissen, deren Erzählung allerdings noch etwas auf sich warten lassen wird.

Im Anschluss daran war ich dann wieder in Melbourne und musste erstmal die während der Reise nur notdürftig verrichtete Arbeit für meinen Marketing-Job etwas auf Vordermann bringen. Damit und einem zweiten Großprojekt war ich dann eigentlich die ganze Woche beschäftigt und habe für die beiden anderen Großziele – Job und Wohnung finden – wenig erreicht. Geplant war das dann alles für den 19., einen Montag. Am Ende des Tages hatte ich genau gar nichts geschafft und bin ziemlich schlecht gelaunt in den Nachtzug nach Sydney gestiegen. Wieso Sydney? Weil ich dort Tom, einen sehr guten Freund aus deutschen Zeiten, der eigentlich auch mal vorhatte, gemeinsam mit mir nach Australien zu kommen, treffen wollte. Und weil die Flüge wenn man nur wenige Tage vorher bucht immer so teuer sind habe ich mich also entschieden, mit dem Zug zu fahren. Außerdem wollte ich immer schon mal “Nachtzug nach Melbourne” schreiben und dadurch musste dies nur noch wenige Tage warten.

Ich bin also Dienstag Morgen völlig übermüdet und zwei Stunden verspätet (das kann nicht nur die Deutsche Bahn) in Sydney angekommen. Alles war mein Laune schon wieder deutlich besser, denn schließlich hatte ich mich sehr auf das Wiedersehen gefreut. Was dann auch sehr schön wurde. Gemeinsam mit seiner Schwester haben wir drei tolle Tage in Sydney verbracht, bei denen ich auch mal wieder Sachen gemacht habe, die ich sonst nie gemacht hätte. Wie ins deutsche Restaurant zu gehen. Oder ins Sydney Aquarium. Dort waren wir Mittwoch als ich einen Anruf von der Managerin des Hostels, in dem ich die Monate vor der Reise mit meiner Mutter gelebt und für die Unterkunft gearbeitet hatte, bekam. Nach meiner Rückkehr nach Melbourne hatte ich dort mal wegen einer Anstellung an der Rezeption angefragt aber leider eine Absage bekommen. Jetzt teilte sie mir allerdings mit, dass das andere Hostel der Kette (YHA, die australische Entsprechung des DJH) in Melbourne ganz dringend jemand als “Night Supervisor” suchen würde und dass ich, wenn ich Interesse hätte, doch bitte den Manager dort anrufen sollte.

Das habe ich natürlich auch umgehend gemacht und nach der kurzen Erklärung, warum ich gerade in Sydney und nicht in Melbourne sei, für Freitags ein Bewerbungsgespräch ausgemacht. Was es überraschenderweise nicht geschafft hat, mir die Stimmung in Sydney zu versauen. Donnerstag Nacht auf dem Rückweg nach Melbourne (also im Nachtzug nach Melbourne) wurde ich dann aber doch ganz schön nervös.

Ich bin Freitag nur etwas verspätet schon um halb neun angekommen und hatte jetzt drei Stunden Zeit bis zu meinem Interview. An dieser Stelle vielen Dank an Kritin, in dessen Wohnung ich nicht nur drei Tage leben durfte (weil es am Formel 1 Wochenende in Melbourne etwas an Betten mangelte), sondern wo ich auch meine Sachen gelassen hatte als ich in Sydney war und wo ich jetzt duschen konnte. Er und seine drei Mitbewohner Tony, Valentin und Agathe (schön international alles, mit einem französischen Pärchen bei dem Thailänder und Vietnamesen) haben es auch gut geschafft, mir etwas die Nervösität zu nehmen und so war ich dann pünktlich um halb 12 zum Job Interview im Melbourne Metro YHA.

Und was für ein Job Interview. Statt den erwarteten Fragen über mich, warum ich den Job haben will und wieso ich dafür geeignet sei war es mehr oder weniger eine Verkaufsverantaltung für die Stelle. So nach dem Motto “wir wissen, dass Du das kannst, die Frage ist, ob Du es auch willst”. Offensichtlich hatte die Managerin des anderen Hostels mich in den höchsten Tönen empfohlen. Und so ging ich dann mit einem echt guten Gefühl raus und dachte mir, dass es echt gut gelaufen sei.

Trotzdem waren die nächsten zwei Stunden eine Tortur. Wie das so ist in solchen Situationen habe ich im Anschluss nur darüber nachgedacht, was ich besser hätte sagen sollen und warum mein erster positiver Eindruck vielleicht doch falsch war. Doch beim Mittagessen mit Kritin im Anschluss kam dann schon der Anruf, dass ich den Job hätte und um drei Uhr nachmittags habe ich den Vertrag unterschrieben – allerdings nur symbolisch, da dieser natürlich noch nicht fertig war…

Und so bin ich dann Samstag in dieses Hostel gezogen. Da mein Vertrag auf sechs Wochen beschränkt ist (ich ersetze nur den eigentlich Nachtmanager, der dann zurückkommen wird), habe ich als kleinen zusätzlichen Anreiz noch ein eigenes (Vierbett-)Zimmer hier bekommen. Und habe dann um 15 Uhr, 27 Stunden nach dem Bewerbungsgespräch, die Einarbeitung begonnen. Vier Stunden Samstag, dann sechs Stunden Sonntag (diesmal 19 bis 1 Uhr) und dann war das Training, das eigentlich zwei Wochen in Anspruch nimmt schon abgeschlossen. Zwar war ich noch nicht perfekt mit allen Systemen vertraut – bin dies auch zehn Tage später noch nicht – aber die Fundamente waren gelegt und mir wurde versichert, dass ich alles weitere dann schon noch lernen würde und dass ich mit ein bisschen Erfahrung auch schneller werden würde.

Montag folgte dann die erste von drei Nachtschichten unter Anleitung des anderen night supervisors. 22:45 bis 7:15 – tatsächlich ein ganz anderes Leben. Ich habe mich eigentlich recht schnell an diese Arbeitszeiten gewöhnt, aber dass es schon wenige Stunden nach dem Aufstehen dunkel wird ist immer noch nicht in meinem Kopf verankert. Die Arbeit selber ist relativ abwechslungsreich und bisher war auch jede Nacht etwas anderes. Es sind die gleichen Sachen, die man auch tagsüber an der Rezeption machen würde: Leute ein- oder auschecken, diverse Dinge verkaufen, mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Dazu kommt dann noch ein bisschen Aufräumarbeit und das aller wichtigste: die Abrechnung für den Tag. Unterstützt vom System also schauen, dass alles richtig verbucht ist. Alles keine große Herausforderung.

Etwas schwieriger wird es wenn dann besondere Situationen auftauchen. Denn wie immer wieder betont wurde und ich ungefähr zehnmal gefragt wurde, ob ich damit umgehen könnte: ich bin acht Stunden lang ganz alleine für das Wohlergehen und die Sicherheit von bis zu 380 Gästen verantwortlich. Und da kann es dann schon mal schwierig werden, wenn deren Interessen zu sehr im Konflikt stehen. Familien mit Kindern oder Schulklassen wollen halt gerne, dass es um 23 ruhig ist – die betrunkenen Backpacker haben da etwas andere Vorstellungen.

Drei Tage also noch Einarbeitung in die Nachtarbeit, wobei ich in der dritten Nacht alles alleine gemacht habe und der andere nur noch für Fragen zur Verfügung stand. Und letzte Woche Donnerstag war dann meine erste Solo-Schicht. Wo natürlich direkt einiges nicht so richtig geklappt hat. Zum Glück hatte ich noch mal fünfzehn Minuten Hilfe und konnte alle Dinge klären. Ein Grundverständnis des Computersystems ist ja schön und gut, aber das heißt ja noch lange nicht, dass ich weiß, dass Buchungen von anderen Stellen um Mitternacht verfallen und ich diese dann auf Barbezahlung umstellen muss. Aber mit der Zeit lernt man solche Dinge natürlich alle.

Freitag und Samstag hatte ich dann frei und habe mein Wochenende sehr genossen. Auch wenn es etwas komisch ist, wenn man um fünf Uhr morgens einfach nicht einschlafen kann, weil es zu früh ist. Sonntag habe ich dann auf eigenen Wunsch noch mal vier Stunden vormittags gearbeitet um ein bisschen mehr Routine im Umgang mit allem zu kriegen und eine bessere Idee vom Tagesgeschäft zu bekommen. Und seit Sonntag Nacht bin ich jetzt in meinem Lebensrythmus für die nächsten fünf Wochen: Nachtschicht von Sonntag bis Donnerstag. Die letzten beiden Nächte ist auch alles gut gelaufen und ich muss ganz ehrlich sagen: auch wenn der Job nicht so glamourös und spannend ist, wie ich mir das im Vorfeld teilweise vorgestellt habe, bin ich doch verdammt froh ihn zu haben. Bis Ende dieses Monats muss ich mir um nichts mehr Gedanken machen sondern kann endlich noch mal Geld sparen für weitere Reisen. Und wer weiß: wenn ich mich weiter gut anstelle, habe ich auf jeden Fall bei der Organisation einen Fuß in der Tür und kann vielleicht auch woanders noch für sie arbeite. Eine sehr angenehme Vorstellung. Aber jetzt konzentriere ich mich erstmal darauf, hier weiter zu lernen und souveräner zu werden. Damit ich bald morgens nicht mehr gebangt auf die Frühschicht warten muss, falls ich doch mal ein Problem habe.

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5 Responses to “Ein ganz neues Leben, die Dreiundzwanzigste!”

  1. J.G. aus B am R in B sagt:

    Na dann zunächst mal herzlichen Glückwunsch zum neuen Job. Er scheint Dir ja zu gefallen! Und dann bist Du ja jetzt vielleicht zu den gleichen Zeitpunkten wach wie wir hier in Deutschland. Oder zumindest teilweise.

    Mir wird übrigens grade um 11:22 Ortszeit am 3. April angezeigt, dass der Beitrag von eben jenem Datum, 19:54 stammt. Ich glaube da ist ein Neutrinowitz drin, aber ich lasse ihn lieber am Wegesrand liegen. ;)

  2. Sebastian sagt:

    Hört sich sehr cool an :-)

    Wenn ich doch spontan über Ostern wo hin fliege, schaue ich auf jeden Fall in Deinem Hostel vorbei ;-)

  3. Vielen Dank für die Glückwünsche!

    Ich habe leider vergessen, die Seite auf die Winterzeit umzustellen. Muss ich dringend nachholen.

    Und ein paar Betten gibt es über Ostern noch, also beeilen. Ich muss auch Ostersonntag und Ostermontag und wenn ich so darüber nachdenke auch Karfreitag arbeiten. Ohne Feiertagszulage. Dafür habe ich allerdings auch sechs und nicht vier Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr.

  4. M sagt:

    Das klingt in der Tat sehr ansprechend!

    Gibt es damit eine feste postalische Adresse über die man Dich erreichen kann?

  5. Für die nächsten vier Wochen hier im Hostel: 78 Howard Street, North Melbourne, VIC 3051.

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