Weihnachten in Melbourne, Teil 2

Weil ich gestern Abend zu müde war, um es noch fertig zu schreiben, folgt jetzt hier der zweite und voraussichtlich letzte Teil des Berichtes wie ich die Weihnachtstage in Melbourne verbracht habe. Gestern habe ich vom 23. berichtet, jetzt folgt der 24. und auch die nächsten Tage.

Wie jeder Tag begann auch der heilige Abend für mich mit der Arbeit. Pünktlich um viertel nach Neun stand ich bereit, um den Gepäckaufbewahrungsraum auf- und zuzuschließen. Und wie jeden Tag hat mir meine “Arbeit” viel Spaß gemacht, da ich eigentlich kaum arbeite, sondern hauptsächlich rumstehe und lese, mit den Rezeptionistinnen rumalbere, oder mich über die deutschen Gäste amüsiere.

Abends – was ich nachmittags gemacht habe ist mir leider entfallen – haben Lea und ich dann Maud, Nathan und Aman im Supermarkt getroffen, Grillgut und Alkohol eingekauft, und sind dann zu einem Barbecue am Yarra, dem Fluss mitten durchs Stadtzentrum, gegangen. Das Wetter war traumhaft, so zwischen 20 und 25 Grad und kaum eine Wolke am Himmel. Organisiert war das Grillen von “Couchsurfern”, und auch wenn ich mit dieser Gemeinschaft wenig anfangen kann, waren es doch trotzdem ein paar ganz interessante Leute. Mit reichlich Känguru und Fischwasser (danke Marius!) im Magen sind wir dann zur St. Patrick’s Cathedral gelaufen um dort, wieder mit anderen Couchsurfern zusammen, die katholische Mitternachtsmesse zu hören. Zu sehen? Zu verfolgen? Ich kenne mich da mit der Terminologie nicht so aus.

Da es sehr voll in der Kirche war mussten wir leider auf dem Boden sitzen, was auch nicht weiter schlimm gewesen wäre, wenn die Katholiken nicht grausamerweise alle fünf Minuten von einem verlangen würden, aufzustehen um zu beten oder zumindest gesenkten Hauptes rumzustehen. So weit ich das erkennen konnte war der einzige Grund dafür, die Leute am Einschlafen zu hindern, aber auch dieses ständige Auf und Ab hat bei unserer Gruppe nicht viel gegen den Alkohol und die fortgeschrittene Stunde geholfen. Wir sind also zur Halbzeit – nach über einer Stunde – gegangen und weiter gezogen zum Haus einer Amerikanerin – derjenigen, die das Zusammentreffern der Couchsurfer organisiert hatte.

Gegen drei haben wir uns dann dort verabschiedet und das stille und heimliche Herausstehlen hat dann zum Massen-Exodus geführt, was mir etwas unangenehm war. Aber gut, da muss man schon mal durch. Lea und ich sind dann zurück ins Hostel gewandert (und man kann wirklich von einer Wanderung sprechen, waren es doch bestimmt drei Kilometer) wo ich mich dann bei Patrick, einem der Nachtportiere, noch mit reichlich Weihnachtsplätzchen dafür bedankt habe, dass er sich eine halbe Stunde Zeit genommen hat Leute im System zu verschieben, damit ich nicht ständig das Zimmer wechseln musste. Und so um vier Uhr morgens bin ich dann fröhlich und vergnügt ins Bett gesunken und habe nicht versucht darüber nachzudenken, dass ich in drei Stunden schon wieder aufstehen musste, um meine Familie pünktlich am Heiligabend in europäischen Gefilden anzurufen.

Am “Christmas Day” selber habe ich dann etwas übermüdet ziemlich genau gar nichts gemacht. Was auch so in Ordnung war. Vor allem da ich bei der “Arbeit” noch eine Flasche Wein von der Managerin des Hostels bekommen habe und somit sogar ein Weihnachtsgeschenk hatte, über das ich mich freuen konnte.

Der 26. heißt dann hier Boxing Day und warum das so ist, ist mir trotz mehrmaligem Nachfragen und intensiver Wikipedia-Recherche (i.e. drei Minuten Überfliegen des Eintrags dazu) immer noch nicht so ganz klar. Aber ist eigentlich auch egal, denn am Boxing Day gibt es nur zwei Dinge die man machen kann: entweder Einkaufen oder Cricket gucken. Einkaufen weil es die besten Angebote des Jahres gibt und es sich somit richtig lohnt – für den australischen Einzelhandel ist es der umsatzstärkste Tag des Jahres. Und Cricket gucken weil das fünftägige “Test Match” zwischen Australien und Indien an diesem Tag in Melbourne losgeht. Test matches sind dabei keine Freundschaftsspiele, sondern die wichtigsten Spiele überhaupt – warum diese dann Tests heißen, weiß ich immer noch nicht.

Jedenfalls habe ich mir gedacht ich sollte es ausnutzen, jetzt mit einem Inder befreundet zu sein, um endlich mal diesen Sport zu verstehen. Außerdem wollte ich gerne mal ein Spiel im Melbourne Cricket Ground sehen, und dafür sollte man dann doch etwas Ahnung von den Regeln haben. Also habe ich mich sehr gefreut als Aman mich und Lea zum indischen Mittagessen und dann Cricket schauen eingeladen hat.

Das Essen war super – viel besser als das aus dem Restaurant von Freitag. Cricket, nun, nicht so sehr. Wir haben ungefähr eine Stunde lang geschaut und ich habe jetzt ein grobes Verständnis der Regeln und alles was ich dazu sagen kann ist: es ist noch langweiliger als Baseball. Und es dauert (bis zu) fünf Tage! Nach einer Stunde und abgelenkt durch das Lernen der Regeln und grobe Verstehen des Spiels wollte ich schon nur noch schreiend wegrennen. Ich war also sehr dankbar, als Aman vorgeschlagen hat, stattdessen Filme zu gucken oder in den Pool zu gehen, was wir dann auch beides im Laufe des Tages noch gemacht haben. Am Ende hatte ich viereckige Augen vom ständigen in die Röhre schauen (okay, es war natürlich ein Flachbildschirm) und niedergeschlagen, weil ich noch nicht mal mehr hundert Meter Kraulen kann, ohne außer Atem zu sein. Trotzdem ein sehr netter Tag.

Und am 27. wurde mir dann auch klar, warum ich den Vortag besser zum Einkaufen genutzt hätte. Denn drei Monate rumsitzen in Melbourne haben meine Kondition nicht gerade verbessert. Aber viele der Angebote gelten zum Glück die ganze Woche und so habe ich dann doch noch sehr günstig Jogging-Schuhe erworben. Und bin auch vorgestern und gestern direkt morgens gelaufen. Ich hasse Joggen immer noch, aber es ist immer noch besser als gar nichts zu machen.

Und sonst? Gestern habe ich in der Melbourne City Library einen “Ninja Gig” von Amanda Palmer und Neil Gaiman miterleben dürfen. Auf die Ukulele-Nummern hätte ich gut verzichten können, aber eine der (unveröffentlichten!) Geschichten von Gaiman hat mir so gut gefallen, dass es das absolut wert war. Und außerdem habe ich mich endlich in der Bibliothek angemeldet um Bücher wieder auszuleihen statt zu kaufen. Ein Wunder für den Geldbeutel.

Und wer jetzt schon bis zum Ende gelesen hat wird wahrscheinlich auch noch die Neugier und Geduld besitzen zu erfahren, dass ich heute Abend im “Moonlight Cinema” The Princess Bride / Die Braut des Prinzen sehen werde und mich für morgen Abend, Silvester, immer noch nicht entscheiden habe, was ich machen werde. Maud und Nathan sind leider nicht da und somit heißt es wohl entweder hier auf dem Dach des Hostels feiern, mit ganz vielen anderen Backpackern (die ich gerade ziemlich leid bin) oder mit Aman zu einer Party in dem Apartmentgebäude gehen, wo zwar (fast) nur “richtige” Australier sein werden, ich aber auch niemanden kenne. Aber ich bin eigentlich ganz optimistisch das beide Varianten ein würdiges Ende zu meinem Weihnachten in Melbourne darstellen würden.

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4 Responses to “Weihnachten in Melbourne, Teil 2”

  1. Niklas sagt:

    Signore, das klingt nett! Ich hoffe, dass Du ein ebenfalls nettes Silvester erlebt hast und 2012 freudig begrüßt hast. Und zu Cricket kann ich nur sagen: Ich habe diesem Sport auch schon zweimal eine Chance gegeben – bisher hat er sie nicht genutzt! Alles Gute und bis bald!

  2. christiane.Kirschbaum sagt:

    Lieber Christoph,

    Das klingt in der Tat alles nicht schlecht!

    Ich hoffe, der Beginn der neuen Taetigkeit verlief auch okay!

    Vielen, vielen Dank fuer deine Buecher zu x-mas und Geburtstag:Eugenides und Annie Proux Tine hat sie natuerlich formvollendet verpackt und ueberbracht. Habe mich sehr gefeut, das Du in der Ferne an mich denkst! Gruss und ein gutes neues Jahr
    Deine Christiane

  3. Niklas sagt:

    Signore, any updates?

  4. Arbeite daran, mein Freund. Arbeite daran.

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