Das Problem mit Strohhalmen

Jeder Fan eines abstiegsbedrohten Fans weiß es ganz genau: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Jeder Funke Hoffnung wird aufgebauscht und angefacht um die Flamme am Leben zu erhalten. Selbst wenn alles aussichtslos scheint glaub man noch daran, dass es eine Rettung gibt. Man klammert sich an jeden Strohhalm. Doch wer jemals eine Strohhalm gesehen hat – egal ob einen echten oder eines dieser neumodischen Plastikdinger, die heute weit verbreiteter sind – weiß, dass diese nicht sehr stabil sind und nicht viel Hoffnung tragen können. Von den großen Dingen ganz abgesehen. Aber man klammert sich halt trotzdem dran.

Und genauso habe ich mich auch an diesen „Job“ geklammert. Diese erbärmliche Tätigkeit, die so winzig und unbedeutend ist, aber doch gleichzeitig eine so gewaltige Rolle auf meinem Weg zurück ins Leben spielen sollte. Jeden Tag ein paar Stunden lang soziale Kontakte beim Gepäckzimmer-Aufschließen knüpfen. Jeden Tag ein bisschen Motivation sammeln, richtige Aufgaben anzugehen. Einen Job zu suchen. Eine Wohnung zu finden. In die Normalität zurückzukehren. Oder vielleicht auch erstmals dahin aufzubrechen. Auf jeden Fall sollte sich durch diese paar Stunden, diese Aktivität, diese Interaktion, etwas ändern. Eigentlich nicht nur etwas, sondern alles. Es sollte ein Allheilmittel sein für etwas, wo es keine Heilung gibt – bestenfalls Linderung der Symptome.

Aber ganz ehrlich: es war und ist halt doch nur ein Strohhalm. Strohhalme brechen. Strohhalme sind dem Druck nicht gewachsen. Strohhalme sind oft alles was bleibt, aber es liegt in ihrer Natur, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit niedrig ist.

Und so sieht es auch mit meiner Zwischenbilanz nach drei Tagen als „bag boy“ aus. Außer Spesen nichts gewesen, sozusagen. Hauptsächlich sitze ich rum. Und warte. Und warte. Ab und zu dann ein paar Minuten hektischer Aktivität und sieben schnell gewechselte Worte. Und dann warte ich wieder auf den nächsten Gast, der meine Service in Anspruch nehmen wird. Wenn ich dafür mit mehr als der Unterkunft bezahlt würde, hätte ich ein schlechtes Gewissen ob meiner Nutzlosigkeit. Habe ich auch so, nur halt nicht so ausgeprägt. Ich warte und das Leben zieht weiter an mir vorbei. Ich glaube, mein fester Entschluss, kein Buch mitzunehmen, um mich nur ja nicht noch weiter zurückzuziehen, wird bald wackeln. Denn Langeweile ist auch nicht gerade konstruktiv.

Einige der Rezeptionisten versichern mir, dass es normalerweise nicht so ruhig sei, dass mehr zu tun sei, dass ich mich bald nicht mehr so langweilen würde. Ich hoffe darauf. Aber irgendwie ist es auch nur wieder der nächste Strohhalm, an den ich mich klammere, der mich auch nicht wirklich weiterbringt.

Vielleicht bringt es ja mehr, dass ich eben angefangen habe, meine Memoiren zu schreiben. Und das nur halb im Scherz. Zweitausend inhaltslose Wörter sind doch ein guter Beginn für ein weitestgehend inhaltsloses Leben.

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3 Responses to “Das Problem mit Strohhalmen”

  1. Lieber Christoph,
    ich hoffe, Du kannst Dich an mich erinnern :-)
    Während der Zeit, als ich, bedingt durch seine Krankheit, ziemlich viel Kontakt zu Deinem Vater hatte, habe ich oft Deine Blogeinträge gelesen. Dein Vater hat mich auf Deine Geschichten immer neugierig gemacht. Leider fehlt mir inzwischen die Ruhe und ich schaue nur noch ganz selten vorbei. Aber heute ist so ein Tag.
    Was ich da gelesen habe, gefällt mir aber überhaupt nicht. Wenn ich mal mit der Tür ins Haus fallen darf…und da ist mir gerade gründlich nach…Christoph, ich glaube nicht, dass Du am richtigen Ort bist.
    Du bist ein begnadeter Schreiber, was machst Du nur in der australischen Einöde mit Deinen Talenten?
    Anspruchsvolle Zeitschriften würden sich nach Dir wahrscheinlich alle 10 Finger lecken, während du auf irgendwelche lächerlichen Koffer wartest. Christoph, Du wirst, weiß Gott noch mal für was anderes gebraucht.
    Ich weiß, mir stehen so klare Worte nicht zu, dafür haben wir uns viel zu lange aus den Augen verloren, aber ich ersticke, wenn ich Dir das hier nicht schreibe. Bitte, bitte sieh es mir nach.
    Du weißt ja, dass wir inzwischen in München leben. Großstadt mit Herz!!!
    Leicht ist mir der Start hier nicht gefallen, aber inzwischen haben wir viele Kontakte. Denk bitte mal so konstruktiv wie irgend möglich darüber nach, ob und was wir für Dich tun könnten.
    Die vielen Dinge, die ich in den vergangenen Jahren gemacht habe, hinterließen so ihre Spuren. Kinderheim (das weißt Du ja vermutlich noch), Schauspielunterricht, Werbung fürs ZDF “Gedächtnis der Nation” und mein letztes Projekt “Mein Freund Karl GmbH”. Ich bin flexibel wie ein Turnschuh und wenn Du auch nur eine einzige Idee hast, bei deren Umsetzung ich Dir behilflich sein könnte. Ich machs!!!
    Solltest Du Dir unsere Website als Vertreibung von Langeweile einmal anschauen, achte bitte nicht so genau auf die Texte. Ich brech mir bei der Erstellung echt was ab. Und mein Sohn ist mal überhaupt nicht begnadet was diese Dinge angeht.
    Christoph noch etwas. Im Januar geht Lisa mit einer Freundin nach Australien und macht das Gleiche wie Du. Ich hoffe, Ihr nehmt mal Kontakt auf. Mir wäre es sehr viel wohler, wenn ich wüsste, dass sie in Dir eine Anlaufstelle hat.
    Ich muss mich jetzt leider verabschieden, mein Freund Karl…der Arbeitsintensive…ruft.
    Melde Dich bitte mal und sei mir nicht böse. Ich werde die Mail auch nicht Korrektur lesen, sonst trau ich mich nicht mehr sie abzuschicken.
    1000 liebe Grüße rund um die Welt!
    Annette

  2. Lieber Christoph,
    seit meiner letzten Mail an Dich sind einige Stunden vergangen. Ein arbeitsreicher, aber auch Erfolg versprechender Tag liegt hinter uns. Mit ganz viel Ruhe und noch mehr Zeit habe ich Deine letzten beiden Einträge zum wiederholten Male gelesen. Ich dachte, ich hätte jetzt mehr Abstand zum Inhalt. “Nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern” und nichts so uninteressant wie eine schon bekannte Information. Aber so ist es nicht, im Gegenteil. Weisst du eigentlich, wie gut Du formulierst, wie geschliffen und ausdrucksstark Deine Texte sind, wie sehr Deine Worte berühren….ankommen?
    Christoph, ich habe eine Idee. (ungefähr 3 1/2 Strohhalme stark…vielleicht auch fünf…aber ganz sicher stärker als einer) Das ich will ich hier aber nicht alles öffentlich posten, deshalb melde Dich bitte bei mir.
    Annette

  3. Sull’idiozia. E’ la dicitura esatta.

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