Darwin, die schwarze Perle des Nordens

[Diese Überschrift speziell für die treuen Leser aus Aventurien: Enno, Jonas und Sebastian.] Für alle anderen gilt: „never judge a book by its cover“. Denn Darwin ist gar nicht so schwarz, sondern jetzt, am Ende der Regenzeit, vor allem grün. Genau wie die Umgebung. Und selbst die Wüste. Aber hier ist das normal, denn wir sind ja in den Tropen. Und da wird auch nach Perlen getaucht. Aber darüber wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Sondern über Darwin, die Hauptstadt des Northern Territory, dieser gigantischen Landmasse mitten in Australien, deren 250.000 Bewohner sich standhaft weigern, zum vollwertigen Bundesstaat zu werden. Aber der Reihe nach.

Wir sind Dienstag Abend in Darwin angekommen, mit dem Zug (The Ghan, Teil 2) aus Alice Springs. Mittwoch morgen sind wir um 6 schon wieder zu einer Zweitagestour in den Kakadu Nationalpark (Bericht folgt) aufgebrochen, waren Donnerstag Abend recht spät zurück, am Karfreitag wieder auf Tour, diesmal in den Litchfield Nationalpark (auch hier folgt der Bericht noch…), und hatten somit eigentlich nur den Samstag, um die Stadt ein wenig zu erkunden.

Und das erste, was einem auffällt, ist natürlich das Wetter. Die Regenzeit war gerade zu Ende gegangen, es hatte das erste Mal seit Monaten mehrere Tage nicht geregnet, und die Trockenzeit, sechs Monate ohne einen Tropfen Regen, steht jetzt bevor. Aber auch wenn es nicht geregnet hat, schwül war es trotzdem. Und auch relativ heiß, immer über 30° und auch nachts noch angenehme 22°. Man könnte fast von tropischen Temperaturen sprechen.

Die auch zum ersten Schock führten, als wir Dienstagabend ins Hostel kamen. Dieses war eine Verlegenheitslösung, da uns deren „travel desk“, das interne Reisebüro sozusagen, empfohlen worden war und wir darüber die Touren gebucht hatten und dafür eine Nacht freie Unterkunft bekommen haben. Und während die Rezeption noch einen recht guten (und vor allem kühlen) Eindruck machte, war das Zimmer eine Katastrophe: brüllend heiß und nach dem Schweiß der zwei dort hausenden, besoffenen Franzosen stinkend. Zum Glück waren wir müde und mussten am nächsten Tag früh raus, andernfalls hätte diese Notunterkunft (die Klimaanlage funktionierte natürlich nicht) wohl kaum ausgereicht.

Nach unserer Rückkehr aus dem Kakadu hatten wir dann mehr ein Glück. Ein noch leeres Zimmer, sauber, und mit funktionierender Klimaanlage. Da wird man fast mit dem Hostel versöhnt. Auch wenn man sich alles Geschirr etc. an der Rezeption ausleihen muss und sie nicht genug Besteck für alle haben…

Aber ich schreibe ja immer noch nicht über Darwin. Also, Darwin. Hauptstadt des „Northern Territory“. Im zweiten Weltkrieg von den Japanern nahezu komplett zerbombt. (Was dem Rest der Nation übrigens verschwiegen wurde.) An Weihnachten 1974 vom Zyklon „Tracy“ so verwüstet, dass alle 48.000 damaligen Einwohner obdachlos waren. Und heute eine multikulturelle, florierende Hafenstadt mit bewegter Geschichte und dem Ansinnen, der große Hafen für Asien zu sein – was sich in der Bevölkerung mehr widerspiegelt als in der Anzahl der Containerschiffe.

Mir hat die Stadt gut gefallen. Ich mag das Leben in Hafenstädten, direkt an der Küste, und hier ist das Meer so türkisblau wie sonst nur in Werbefilmen für die Malediven. Schade nur, dass man nicht darin schwimmen kann. Zu viele Haie, Krokodile und vor allem Würfelquallen. Also bleibt es beim Angucken und vielleicht einem kurzen Abstecher in die „waterfront lagoon“ – auf den wir allerdings wegen Zeitmangels verzichtet haben.

Was wir gesehen haben, waren ein schlecht gepflegter Botanischer Garten (sehr untypisch für australische Städte), das kostenlose Museum namens „Museum and Art Gallery of the Northern Territory“, wo die Ausstellung über den Zyklon sowie natürlich das Riesenkrokodil „Sweetheart“, das bedeutender für die Geschichte des Territories ist als jeder Politiker, als besondere Highlights herausstachen, und einen der vielen Märkte der Stadt, die mit ihren internationalen Spezialitäten sehr verlockend sind.

Aber eigentlich waren wir mindestens eine Woche zu früh da, denn viele Dinge waren, genau wie in den Nationalparks (dazu mehr in späteren Einträgen) ganz einfach noch geschlossen. Kein Deckchair Cinema. Kein Mindil Beach Market (der abends stattfindet). Vielleicht will ich auch deswegen unbedingt noch einmal wiederkommen. Oder vielleicht ist es auch das masochistische Bedürfnis nach der tropischen Hitze. So genau weiß ich das noch nicht.

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2 Responses to “Darwin, die schwarze Perle des Nordens”

  1. Sebastian sagt:

    I guess that’s me ;-)

    Frage: Was ist untypisch für Australien, dass der Park nicht gepflegt ist oder dass es ihn gibt?

    Sonst noch Frohe Ostern nachträglich!

  2. Yep, that’s you. :-)

    Botanische Gärten gibt es in nahezu allen australischen Städten und diese sind eigentlich immer sehr schön, interessant und gut gepflegt. Der in Darwin war auch schön und interessant, aber in einem miserablen Zustand – und das kannte ich noch nicht so.

    Dir bzw. allen Lesern auch nachträglich frohe Ostern!

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