Der größte Stein der Welt

Was macht man, wenn man gut 100 Stunden in Alice Springs hat? Genau, man versucht so schnell wie möglich die Stadt zu verlassen und so viel Zeit wie es gerade geht woanders zu verbringen. Weswegen wir auch schon für den Freitag eine Dreitagestour namens „The Rock Tour“ gebucht hatten. Denn die Werbung für die Stadt mag ja auf die Leute hinweisen, „who came for a day and stayed for a life time“, dass dies aber häufig der gleiche Zeitraum ist, wird verschwiegen. Okay, nicht ganz fair, aber wenn sowohl die Reiseführer als auch die Einwohner davor warnen, nach Einbruch der Dunkelheit draußen rumzulaufen, stimmt etwas nicht. Also schnell raus aus der Stadt.

Doch zunächst mussten wir noch ein paar Dinge in der Stadt erledigen. Und das erste war, zum Büro der Tour zu gehen, um informiert zu werden, wie das so abläuft und vor allem was man mitnehmen muss. Und für mich ging es natürlich auch darum, schon mal vorzuwarnen, dass ich vielleicht etwas langsamer bei den geplanten Wanderungen sein könnte und dass ich eventuell auch einfach beim Bus warten würde.

Der Gesichtsausdruck des Mitarbeiters, als er nach längeren Erklärungen meinen schicken Gehgips-Stiefel sah, war einer Mastercard-Werbung angemessen unbezahlbar. Er war dann auch gleich viel eher dazu bereit, noch zu erklären, wie die Wanderungen so aussehen und mich zu warnen, nur ja dem Tourguide direkt Bescheid zu sagen, da dieser mir besser sagen könnte, was für mich machbar sei.

Da neben Bianca auch Lisa, mit der ich in Bundaberg ebenfalls das Zimmer geteilt habe, gerade in Alice Springs war, haben wir dann noch ein kurzes Wiedersehen mit gemeinsamem Abendessen gefeiert, bevor wir alle früh ins Bett gegangen sind. Denn am nächsten Morgen sollte es ja schon um 6 Uhr losgehen – die Ziele der Tour sind nämlich doch einige hundert Kilometer von Alice entfernt.

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Und um Punkt 6 am nächsten Morgen stehen wir vor dem Hostel und warten auf den Bus. Wir wissen schon, dass an dem Tag zwei Busse des Unternehmens starten und so warten wir geduldig weiter, als der erste Busfahrer und Tourguide unsere Namen nicht aufruft. Beim zweiten, Scott, dürfen wir dann mit. Weiter geht es quer durch Alice, zu diversen Unterkünften, um noch weitere Leute aufzunehmen – bis dann alle Plätze bis auf einen besetzt sind. Der bleibt frei bis zum Ayers Rock Airport, wo noch jemand abgeholt wird. Weswegen die Reihenfolge der Tour auch geändert wird und wir zunächst zum Ayers Rock, zum Uluru, zum größten Felsen (i.e. Monolith) der Welt fahren.

Die Fahrt dahin dauert viele Stunden, zum Glück immer wieder unterbrochen durch Stopps. Der erste ist an einer Kamelfarm, wo man auf den Rennkamelen sogar reiten kann. Da mir dies mit einem gebrochenen Fuß nicht so sinnvoll erscheint, verzichte ich auf diese Erfahrung und schaue mir die in Australien nur minimal fehl am Platze seienden Kamele lieber aus der Distanz an:

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Nach diesem Stopp werden die meisten der Mitreisenden dann auch wach und die Vorstellungsrunde beginnt. Von den 20 Leuten der Gruppe stammen 15 aus Deutschland. Oh welch Freude, dann muss ich ja gar nicht Englisch sprechen. Jeder der 20 darf durch den Bus nach vorne laufen und sich vorstellen – peinliche Erlebnisse eingeschlossen. Die Atmosphäre, die „Spielkultur“, die Niveaulosigkeit, das ganze Drumherum sind also ungefähr so, wie ich mir dies immer vorgestellt habe beim Pauschaltourismus. Als Novize nehme ich natürlich mit großer Begeisterung teil und erheitere die Gesellschaft mit der Geschichte meines Fußbruchs. Nur Busfahrer, Tourguide, DJ, Koch und Therapeut Scott treibt sie etwas den Angstschweiß auf die Stirn. Vor allem als er meinen Stiefel sieht.Dieser erinnert, kombiniert mit kurzer Hose, wirklich ein wenig an einen Skischuh. Und ist bei frischen 30° natürlich auch nur minimal unkomfortabel. Scott spricht mich jedenfalls am nächsten Stopp an und erklärt mir, was heute wandermäßig ansteht und dass er glaubt, dass ich das durchaus schaffen kann, es aber halt drauf ankommt, wie ich beim Tempo der Gruppe mitkomme. Zum Glück ist die erste Wanderung sehr kurz, kaum 30 Minuten, und komplett flach – das wird dann die erste Belastungsprobe.

So richtig beginnt die Tour dann am Uluru Cultural Centre. Vorher haben wir zwar schon Feuerholz gesammelt und am Campingplatz abgelegt – in den Nationalpark darf man dieses nicht mitnehmen – aber das hat dann doch für weniger Begeisterung gesorgt als der erste Blick auf „the Rock“. Da die Ureinwohner dieser Gegend, die Ananu (wird anders geschrieben, aber ich konnte es mir leider nicht merken; keine große Überraschung, wenn man bedenkt, das deren Sprache in sehr schlechte englische Lautschrift transkribiert wurde), Ayers Rock Uluru nennen, ist dies auch der Name, der inzwischen fast überall und offiziell verwendet wird. Ich bin da aber ein wenig anti-chronistisch und bleibe immer am alten Namen hängen.

Im Cultural Centre kann man etwas über die Stämme der Aborigines, die hier leben und eben nicht Aborigines genannt werden möchten, ihre Kultur, Lebensweise und ihren Glauben lernen. Wir haben dort nur fünfzig Minuten, während Scott zum Flughafen fährt, um die Gruppe zu komplettieren. Die Zeit reicht so gerade, um die wichtigsten Informationen aufzuschnappen und mal einen Bumerang und Jagdspeer in die Hand zu nehmen. Bezeichnenderweise sitzt der Großteil der Gruppe schon nach der Hälfte der Zeit draußen im Schatten…

Für die Ananu ist ihr Glaube wahnsinnig wichtig – zumindest für diejenigen von ihnen, die heute immer noch hier nach alten Sitten leben. Ganz wichtig dafür sind die „Tjukarpa“ (das wird bestimmt auch wieder anders geschrieben…), die Geschichten aus der Vorzeit, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, sich in 30.000 Jahren nicht verändert haben, und die eine Art Mischung aus Legenden und Fabeln sind. Für die Ananu sind sie wahr, dies ist das, was passiert ist. Für mich fallen sie in die Kategorie: „Geschichten die Dinge erklären, die wir nicht verstehen“, ähnlich wie eigentlich jede Religion oder jeder Glaube. Diese Geschichten sind aber zugleich auch Gesetz, sie zeigen den Weg auf, den die Ananu gehen müssen, um in dieser nicht gerade gemütlichen Gegend zu überleben. Denn auch wenn es zurzeit alles grün ist, sollte man doch nicht vergessen, dass man eigentlich mitten in der Wüste ist.

Die Kultur der Ureinwohner ist faszinierend und die Geschichten sind sehr unterhaltsam, erklären sie doch zum Beispiel die vielen Höhlen, Schluchten, schwarzen Flecken und anderen Konturen des Ayers Rock. Viel davon erfahren wir allerdings nicht. Denn für die Ananu sind wir alle noch Kinder, selbst der sehr interessierte und informierte Scott, da wir nicht an den Ritualen ihrer Kultur teilgenommen haben. Und somit dürfen wir auch nur die Geschichten hören, die für Kinder bestimmt sind. Die Moral ist oft einfach: Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht lügen und Ähnliches. Aber irgendwie schöner vermittelt als mit den zehn Geboten…

Der Uluru ist dann unser nächstes Ziel. Wir wandern dort zunächst ein Stück an der Seite entlang und hören von Scott weitere Geschichten und lassen uns alle gebührend von dem großen roten Felsen inmitten der grünen Landschaft und vor dem strahlend blauen Himmel beeindrucken.

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Als nächstes laufen wir dann fast komplett drumherum. Es besteht auch die Möglichkeit den Felsen zu besteigen, wovon aber niemand in der Gruppe Gebrauch macht. Dies ist Teil der etwas verworrenen Geschichte um den Felsen, die Rechte der ursprünglichen „Inhaber“ und die Park-Verwaltung und Tourismus-Suchenden. Die Ananu wollen nicht, dass man den Felsen besteigt und überall sind Schilder, die darauf hinweisen und dies erklären. Für sie ist es ein heiliger Ort, der dadurch entehrt wird. Gleichzeitig gibt es einen ausgewiesenen Weg mit fest verankertem Geländer. Ein wenig zwiespältig ist die Sache. Ich glaube, wenn mein Fuß nicht gebrochen gewesen wäre, wäre ich hochgeklettert. Es ist eine Sache, fremde Kulturen zu respektieren, aber wenn sie einen in der persönlichen Freiheit beschneiden, geht das zu weit. Alter Aberglauben sollte nicht überbewertet werden – wir steinigen ja auch keine Leute mehr dafür, andere Ansichten zu haben oder blasphemisch über den (christlichen (eigentlich jüdischen)) Gott zu lästern.

Es gibt allerdings auch gute ökologische (und gesundheitliche) Gründe, die Besteigung zu verbieten. Warum diese allerdings nicht genutzt werden, ist etwas undurchsichtig. Angeblich hat die Territorialverwaltung Angst, dass keine Touristen mehr kommen, wenn die Besteigung geschlossen wird. Bei gerade mal 300.000 Besuchern pro Jahr vielleicht nicht ganz unbegründet.

Wir wandern jedenfalls nur rund um den Felsen und respektieren auch die heiligen Stätten, die immer wieder ausgewiesen sind und wo das Fotografieren verboten ist. Denn auch so kann man mehr als genug Bilder machen und viele verschiedene Dinge sehen.

Wir pausieren an einem Wasserloch direkt am Fuße des Steins. Es ist eins von zwei und trägt maßgeblich zum Erhalt der Tiere und Pflanzen in der Gegend bei. Gerade ist es gut gefüllt; nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Kaulquappen. Ich bleibe ziemlich lange dort und mache viele Fotos, vor allem bei dem Versuch, die drei alles umgebenden Farben einzufangen:

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Als ich wieder zum Großteil der Gruppe aufschließe, scheint Scott etwas besorgt, ob es nicht doch zu weit und anstrengend für mich sei. Aber die Sorge ist unbegründet. Die restlichen fünf Kilometer durch die Eben rund um den Felsen stellen kein Problem dar. Trotz immer wiederkehrender Fotogelegenheiten, vor allem bei den Felsmalereien, die die Höhlen am Fuße des Uluru zieren.

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Weniger problemlos ist die Fliegenplage, die immer mehr über uns hineinfällt. Die Viecher sind nicht nur ungezählt, sondern auch noch extrem nervig und setzen sich mit Vorliebe ins Gesicht. Gut, dass Lisa, die die Tour schon gemacht hatte, uns gewarnt hatte und wir Fliegennetze gekauft haben, die wenigstens das Gesicht schützen. Kombiniert mit Hut, Sonnenbrille und vor allem dem Stiefel wird mein Aussehen immer außerirdischer.

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Der nächste Stopp ist dann der Busparkplatz am „Sunset Spot“, wo wir zu Abend essen und den Sonnenuntergang genießen werden. Wir kommen als erst Bus an und haben somit die Chance, die besten Plätze (inklusive Tisch!) zu blockieren, bevor die anderen mindestens zwanzig Tourbusse den Parkplatz füllen. Spätestens hier stelle ich fest: Scott weiß wirklich was er macht. Gut, dass er uns so gedrängt hat, das spart uns jetzt das Gedränge. Mit Nudeln und ein paar Bier – bei einem der Stopps auf der Hinfahrt für günstige A$2,50 pro Dose en masse erworben – genießen wir dann den Sonnenuntergang, der den Felsen tiefrot färbt.

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Weiter geht es zum Campingplatz, wo wir noch ein wenig ums Lagerfeuer sitzen und dann schon bald in unseren „swags“ verschwinden. Mit swags campt man in Australien. Im Prinzip Überdecken für Schlafsäcke erlauben sie es einem, draußen unter den Sternen zu schlafen. Solange es nicht regnet und nicht zu kalt wird eine unglaubliche Erfahrung. Die frühe Bettzeit ist jedenfalls angebracht. Am nächsten Morgen wird es um halb sechs losgehen, um pünktlich zum Sonnenaufgang wieder am Uluru zu frühstücken.

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Um halb sechs übermüdet aufzustehen ist deutlich einfacher, wenn man zu dem Zeitpunkt auch noch friert. Irgendwie sind die Außentemperaturen von fünf Grad durch meinen swag und Schlafsack gekommen und ich bin froh, mich bewegen zu müssen – das wärmt. Wir packen allerdings nur schnell die Sachen zusammen bevor wir wieder in den Bus steigen und zum Sunset Spot zurück fahren. Heute morgen bleiben wir dort alleine, die anderen Touren fahren wohl zum Sunrise Spot, wo man noch einmal den Farbwechsel des Felsen umgekehrt erleben kann. Aber die Sonne neben dem Rock aufgehen zu sehen hat auch etwas – vor allem wenn es dazu warmen Toast und Tee zum Frühstück gibt. Nur die Bilder des Felsen werden alle nichts, sie sind verwackelt:

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Dafür macht es richtig viel Spaß, die Kamera in die aufgehende Sonne zu halten und einfach mal abzudrücken. Ich mache auf diese Art und Weise ungefähr tausend überbelichtete Fotos. Ein paar sind aber nicht so schlecht geworden wie erwartet:

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Dann geht es schon wieder eilig weiter. Heute ist das große Ziel Kata Tjuta, auch bekannt als die Olgas, mehrere Felsen, die nur wenige (i.e. unter hundert) Kilometer entfernt sind und dort wollen wir dann durch „the Valley of the Winds“, das Tal der Winde, wandern. Scott nimmt mich wieder zur Seite und es folgt die obligatorische Warnung vor der Wanderung. Denn heute ist nicht alles eben und er meint, es könnte sein, dass ich mit dem Stiefel an einer Stelle nicht weiterkomme. Aber ich könnte von da aus zurückgehen und hätte trotzdem einiges gesehen. Ich antworte wie immer: ich versuche es einfach mal, wenn es nicht geht, geht es halt nicht.

Kata Tjuta ist ein weiter heiliger Ort der Ananu, allerdings eines anderen Stammes. Dieser ist nicht ganz so volkstümlich und so ist weder die Wanderfreiheit noch die Fotografierlaune irgendwie eingeschränkt. Kata Tjuta ist schwerer zu beschreiben als Uluru. Am Foto ist hier vielleicht das Beste, auch wenn ich dieses erst nach der Wanderung, als wir an einem Aussichtspunkt Fliegen zu Mittag essen, gemacht habe.

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Die Wanderung ist traumhaft schön. Es geht zwischen den Felsen hindurch über eine Art kleiner Pass. Der Weg dorthin ist irgendwann nur noch blanker Stein und ich rutsche weg. Charlotte hat einen kleinen Herzinfarkt. Aber ich kann mich fangen und schaffe es mit noch mehr Vorsicht auch dort hinauf. Scott beginnt, beeindruckt zu sein.

Als wir den Pass erreichen, bietet sich uns der schönste Ausblick, den ich vielleicht in meinem bisherigen Leben hatte. Zwischen den zwei Felsen taucht ein grünes Tal auf, dass sich bis zu den weiteren Bergen/Felsen am Horizont erstreckt. Ich muss an Shangri La denken. Auch wenn hier zurzeit alles wahnsinnig grün ist, kann ich nicht anders, als mich an einem geschützten Ort mitten in der lebensfeindlichen Wildnis zu wähnen. Wir alle machen unzählige Bilder, die aber die nahezu unberührte Schönheit dieses Ortes nicht einfangen können.

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Scott empfiehlt mir, hier mit ihm umzudrehen, aber er meint, ich sollte auch den Rest des Rundwegs schaffen. Ich versuche es natürlich und mache Charlotte und Bianca beim Abstieg auf Geröll und unsicherem Untergrund weiter ein wenig Angst. Es geht aber alles gut, auch wenn es nicht immer so aussieht.

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Auch der Rest der Wanderung ist schön, wenn gleich etwas von meinem Ehrgeiz getrübt. Scott meinte nämlich, ich sollte doch nicht als Letzter angekommen, da mit er sich über die Langsameren lustig machen kann. Da der Großteil der Gruppe jedoch schon ans Mittagessen denkt und sich wenig Zeit nimmt, die Landschaft zu genießen, wird dadurch alles etwas gehetzt. Trotzdem war es ein schöner Ausflug, nachdem wir uns das Mittagessen mit unfreiwilliger Fleischbeilage (in Form von Fliegen) und mit schönem Blick auf die Kata Tjuta redlich verdient haben.

Den Nachmittag verbringen wir dann größtenteils im Bus. Nachdem wir am Vortag schon Kängurus gesehen hatten und Scott dies als gutes Omen gewertet hatte, bremst er heute plötzlich für eine Gruppe Emus, die wir noch so eben mit der Kamera einfangen können.

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Der nächste Stopp ist am Mt Conner Lookout. Dieser Berg hat etwas Ähnlichkeit zu Uluru und als ich ihn am Vortag das erste Mal gesehen habe, habe ich ihn natürlich prompt verwechselt. Es ist allerdings kein einzelner Stein sondern ein stinknormaler Berg, auch wenn es ungewöhnlich aussieht, wie er sich so über der Wüste erhebt. Der Aussichtspunkt bietet eine gute Gelegenheit, um auf Fotos mal die Weite der Landschaft und des Himmels einzufangen.

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Weitere Stopps folgen um wieder Feuerholz zu sammeln – heute elementar wichtig, da wir auf dem Feuer kochen werden – und an einem Stück der Wüste, wo das Gras frisch abgebrannt ist. Scott vermutet, dass die kontrollierenden Brände der Ananu und Park Ranger dieses Jahr wegen der extremen Feuchtigkeit schon früher angefangen haben. Durch diese Brände wird nämlich das gefürchtete „bush fire“ verhindert. Und in der Tag: mitten auf der verbrannten Erde stehen noch grünende Bäume:

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Am Abend campieren wir an der Kings Creek Station, dem nächsten Campingplatz zum Kings Canyon, der am morgigen Tag unser letztes Highlight sein wird. Die Station ist eine richtige „Cattle Station“, inklusive Cowboys (hier Jackaroos) genannt und horrenden Benzinpreisen.

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Das Abendessen aus dem Lagerfeuer schmeckt natürlich doppelt gut. Chili con Carne, gebackenes Gemüse und Kartoffeln, und natürlich auch wieder damper – australisches Lagerfeuerbrot aus Mehl, Wasser und was auch immer für Gewürze Scott gerade dabei hat. Es braucht recht lange und wird somit mehr zum Nachtisch, während wir schon alle ums Lagerfeuer sitzen, Bier trinken und Lagerfeuerspiele spielen. In Momenten wie diesen bin ich sehr dankbar, dass Scott nicht die manische Energie eines Animateurs hat, sondern auf eine ruhigere und angenehmere Art es sehr gut versteht, die Gruppe aufzulockern.

Wir gehen wieder früh schlafen, denn am nächsten Morgen klingelt der Wecker schon um halb fünf. Wir werden schnell frühstücken und dann zum Kings Canyon fahren, um den Sonnenaufgang oben genießen zu können, was mit einer kleinen Wanderung verbunden ist.

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Scott weckt uns sechs Minuten später als angekündigt und ich bekomme leichte Panik, dass wir den Sonnenaufgang verpassen. Sonnenuntergänge sieht man ja häufig, aber Aufgänge sind schon etwas Besonderes. Vor allem an einzigartigen Orten. Als wir dann auch noch alle beim Frühstück trödeln und das Einpacken länger dauert als erwartet, wächst meine Panik – aber Scott ist immer noch guter Dinge. Wir fahren eine halbe Stunde und erreichen den Canyon bei gerade anbrechender Dämmerung. Entgegen Scotts Beteuerung, dass wir mindestens eine Stunde vor allen anderen Gruppen da sein würden, ist ein Bus schon da und ein weiterer kommt direkt nach uns. Wir machen uns an den Anstieg und Scott warnt wieder einmal davor, wie steil dieser sei und dass ich auch einfach den einfachen Weg durch den Canyon laufen könnte. Aber ich versuche es wieder und mit zunehmender Morgendämmerung und damit mehr Licht wird es auch einfacher. Ich habe allerdings das erste Mal in den drei Tagen wieder leichte Schmerzen in der Bruchstelle.

Oben angekommen gratuliert Scott uns, gibt uns einen Augenblick zum Verschnaufen, und jagt uns dann weiter zu seinem Lieblings-Aussichtspunkt, wo der Sonnenaufgang noch spektakulärer sei. Er sagt auch, dass er es erst einmal geschafft hätte, rechtzeitig dort zu sein, und die Motivation wirkt. Wir kommen bestimmt dreißig Minuten vor Sonnenaufgang an und können uns erstmal ausruhen und in den noch dunklen Canyon runtergucken.

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Zum Sonnenaufgang gibt es dann Fruit Cake und, wenn man sich gut anstellt, mehrere Wiederholungen, indem man einfach ein wenig weiter herunterklettert. Wir verbringen viel Zeit dort und machen ein Gruppenfoto an der Stelle, wo zuletzt ein Teil der Felswand weggebrochen ist. Und alle außer mir über den Rand hinausschauen. Die Stimmung ist ausgelassen, der Hunger nach dem frühen Frühstück noch ertragbar, und die restliche Wanderung einfach. Wir steigen hinab zu einer „gorge“ und Scott erklärt uns den Unterschied zwischen canyon und gorge. Er weist auch darauf hin, dass der Grand Canyon gar kein Canyon sei, sondern eben eine gorge. Ich würde beides mit Schlucht übersetzen, deswegen hier also die englischen Begriffe. Trotzdem muss ich sagen, so schön dieser Canyon ist, der Grand Canyon ist doch noch tausendmal beeindruckender.

Aber die weitere Wanderung führt an vielen tollen Steinformationen und einem Garten Eden getauftem Wasserloch vorbei und Scott gräbt sogar noch eine besondere Eidechse aus, die wir alle mit Begeisterung fotografieren.

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Wieder im Bus gibt es Kekse und ein paar Cracker, denn das Mittagessen muss noch zwei Stunden warten. Der Rückweg nach Alice ist weit und die Fahrt wird so lange dauern, dass man sich über jede Pause freut. Scott bremst unterwegs mal wieder überraschend ab und ruft uns nur zu, wir sollten aus dem Bus springen und die Kameras mitnehmen. Drei Minuten später sammeln sich alle um ihn, denn er hat einen „Thorny Devil“ entdeckt und eingefangen und erklärt jetzt dieses wirklich außergewöhnliche Tier.

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Er sitzt zumeist auf Straßen oder Steinen und wackelt dabei auf dem linken Hinterbei und rechten Vorderbein hin und her, so dass er wie ein Blatt aussieht. Die Stachel dienen ebenfalls der Abwehr potentieller Angreifer. Und oben auf seinem Kopf hat er eine Kugel Fett, die Vögel, die ihm den Kopf abbeißen wollen, häufig erwischen, wodurch er den Angriff überlebt. Auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so spannend wie Kängurus sind es doch diese echt ungewöhnlichen Wüstentiere, für die sich dieser Ausflug ganz besonders lohnt.

Scott ist auch echt glücklich, all dies gesehen zu haben und noch überraschter, als wir sogar noch den größten Raubvogel Australiens, den Wedge-Tailed Eagle, auf der Straße sitzen sehen. Fotos habe ich davon leider nicht machen können, aber vorhin kreiste noch mal einer über dem Bahnhof von Katherine und ich fühlte mich sehr glücklich, gerade in dem Moment alleine am Bahnsteig entlang zu wandern.

Der Rest der Rückfahrt war dann wieder von Spielen geprägt, ganz besonders von „The Bus Driver Wants“, einem „full contact game“ bei dem der Unfall eigentlich vorprogrammiert war. Aber es geht alles noch mal gut und Charlottes Team gewinnt sogar, was ihnen am Abend eine Karaffe Bier beim gemeinsamen Abendessen in der an das Tourbüro angeschlossenen Bar einbringt.

Damit und mit einigen weiteren Gläsern Bier (so viel besser als aus der Dose!) lassen wir dann auch die Tour ausklingen. Scott ist etwas deprimiert, muss er doch früh ins Bett, da er überraschend am nächsten Tag schon wieder eine Tour leiten muss. Zum Abschied erzählt er mir noch, dass er am Anfang echt Sorgen wegen meinem gebrochenen Fuß hatte, dass ich mich aber wirklich wacker geschlagen und ihn beeindruckt hätte. Ich freue mich, hatte mir dies aber spätestens bei der Wanderung am Kings Canyon schon gedacht, als er gegenüber anderen Tour Guides angab: „guck mal, ich habe einen mit gebrochenem Bein dabei und der läuft alles mit“…

Aber auch wir anderen bleiben nicht lange in der Bar. Die Tour war anstrengend, das frühe Aufstehen gewöhnungsbedürftig und der Schlaf im Bus wenig erholsam. Und so zerstreut sich dann die Gruppe. Am nächsten Tag Alice Springs zu erkunden machen Charlotte und ich alleine. Wobei wir uns auf den schönen botanischen Garten beschränken, wo wir noch mal Kängurus sehen.

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Und im nächsten Teil des Reiseberichts: Darwin, Kakadu National Park und Litchfield National Park. Aber vielleicht dann auch in mehreren Teilen. Denn diese endlosen Texte liest ja eh niemand zu Ende. Oder täuscht sich Charlotte da in ihren Belehrungen? Falls ja, bitte korrigiert sie doch in den Kommentaren…

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6 Responses to “Der größte Stein der Welt”

  1. Jan G. sagt:

    Na dann hoffe ich mal, dass Du nicht bis zum Ende Deines Lebens dort bleiben wirst. Irgendwann wollte ich Dich auch noch mal wieder hier sehen.

    Aber es klingt ja so, als hättet Ihr eine schöne Zeit. Und immerhin scheint es Deinem Fuß wieder etwas besser zu gehen. Freut mich sehr!
    Grüß Deine Schwester von mir. :)

  2. Jonas sagt:

    Habs bis zu Ende gelesen!

  3. Sebastian sagt:

    Aber natürlich wird alles gelesen :-)

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