MONA

So ein gebrochener Fuß hat ja auch Vorteile. Nicht unbedingt für mich, aber für Euch alle, meine lieben Leser, den Ihr könnt dadurch endlich mal die ganzen Geschichten lesen, die ich sonst vielleicht niemals geschrieben hätte. Die sind zwar nicht mehr ganz aktuell, teilweise beschreiben sie Ereignisse und Erlebnisse aus Bundaberg oder Brisbane oder womöglich sogar Sydney, sind also Wochen und Monate alt, aber sie sind trotzdem erwähnenswert, wie die Geschichte von MONA.

MONA bin ich allerdings hier in Hobart begegnet. Nicht bei diesem Besuch, sondern beim letzten, nachdem ich die Rundreise mit Dave beendet hatte und bevor ich mich auf die erfolglose und entmutigende Jobsuche gemacht habe, die schließlich in der Rundreise mit Jan mündete. (Ich könnte diese Rundreisen auch anders unterschieden als durch die Begleiter. Mit Dave war es in einem Auto, mit Jan in einem Campervan. Mit Dave bin ich im Uhrzeigersinn um die Insel gefahren, mit Jan war es gegen den Uhrzeigersinn geplant, bevor der Fußbruch die Uhr sozusagen noch mal ein Stück vorgedreht hat, aber insgesamt erscheint mit die Unterscheidung durch die Gesellschaft doch am Passendsten.) MONA ist immer noch in Hobart. Und MONA ist nicht etwa eine Person, sondern ein Ort. Genauer gesagt ein Museum. Ganz genau gesagt das „Museum of Old and New Art“ und zu sagen, dass es mich überrascht hat, dieses Museum gerade in Tasmanien zu finden, wäre deutlich untertrieben.

MONA ist ein privates Museum, trotzdem ist der Eintritt kostenlos. MONA ist die Ausstellungsfläche eines etwas exzentrischen Sammlers, der, oder so wurde es zumindest an mich herangetragen und ich habe eigentlich keine Lust, mich von der ‘ped korrigieren zu lassen, sein Vermögen errungen hat, weil er gut mit Zahlen ist. Und der deswegen Milliarden beim Glücksspiel gewonnen hat. (Ich vermute allerdings, dass dieses Glücksspiel der Aktienmarkt ist, aber wie gesagt, dass ist nur das, was man sich hier in Hobart so erzählt, wie die wirkliche Geschichte ist (oder wie der Typ heißt) kann jeder selber im Internet rausfinden. Ich mag die poetische Fassung, dass dieser Mensch sein Vermögen durch Glücksspiel gewonnen hat und dieses dann in Kunstwerke und das wohl ungewöhnlichste Museum der Welt gesteckt hat, deutlich lieber.) Und mit diesen Milliarden hat er dann eine außergewöhnliche Sammlung von Kunstwerken aufgebaut, die ägyptische Reliquien mit moderner Kunst weitestgehend unbekannter Künstler kombiniert. Denn wer große Namen erwartet, wird eher enttäuscht. Es gibt eine Zeichnung von Kandinsky und ein paar der Größen postmoderner Kunst und das war es dann auch schon, alles andere sind (zumindest mir) unbekannte Werke. Aber es geht bei MONA auch weniger um die Namen und die Werke selber und mehr um die Präsentation dergleichen und diese ist wirklich einzigartig.

Das Museum wurde genau für die dort gezeigten Dinge gebaut. Hier gibt es keine spektakulären Sonderausstellungen sondern eine Dauerausstellung, für die das Gebäude gerade erst errichtet wurde – die Eröffnung liegt keine zwei Monate zurück. Und dieses Bauwerk hat es in sich. Dorthin kommt man auf vielen Wegen, aber es bietet sich an, die spezielle Fähre zu nehmen, die einen in gut 30 Minuten vom Stadtzentrum zum Museum bringt, dass auf dem Gelände eines Weingutes direkt am Derwent River errichtet wurde. Dort erhält man dann als erstes einen iPod. Einen iPod? Ja, genau, einen iPod Touch, ausgestattet mit einer speziellen „App“ namens “The O”, die alle Informationen über die Kunstwerke, die sonst Schilder an den Wänden, Führungen durchs Museum, oder Ähnliches bieten. Mit diesem Gerät ausgestattet verlässt man dann also das Erdgeschoss und sagt dem Tageslicht auf Wiedersehen, denn die Ausstellungsräumlichkeiten sind allesamt unterirdisch und dies ist natürlich beabsichtigt. Denn in dem an eine Hölle erinnernden Museum lässt man die wirkliche Welt weit hinter sich und kann stundenlang von einem Bild zum nächsten, entlang gigantischer Installationen und winziger Speerspitzen, von einer Überraschung zur nächsten wandern.

Ich war an einem Samstag da und das Museum war gut gefüllt, aber trotzdem nicht überlaufen. Abgesehen von einem Sarkophag, den immer nur zwei Leute gleichzeitig anschauen können, ist alles sehr offen und weitläufig präsentiert und dies zahlt sich aus, wenn man so viel Zeit damit zubringt, auf seinem iPod rumzutippen um die diversen Texte zu lesen oder Interviews anzuhören. Dies alles ist mit viel Humor und wenig der in der Kunstwelt so verbreiteten Prätention, viel mehr wird diese kritisch und mit einer gewissen kindischen Arroganz eingearbeitet, dargebracht. Dass technische Probleme dabei nicht alle der Spielereien – Ortung der Kunstwerke, Verfolgung des Rundgangs inklusive der verpassten Elemente später am eigenen Computer – immer garantieren fällt kaum ins Gewicht, wenn man einmal in dieser Welt versunken ist. Der Fokus, wobei dies natürlich auch am Betrachter liegt, ist ganz klar bei den modernen Werken zu finden, die allerdings sehr schön mit den antiken Werken kontrastiert werden.

Doch all diese Worte werden dem Erlebnis nicht wirklich gerecht. MONA ist etwas was man eigentlich erleben muss. Was angesichts der Tatsache, dass es im am wenigsten beachteten Staat eines von der Welt oft übersehenen Landes zu finden ist, die wenigsten Leute machen werden. Denn selbst wenn man nach Tasmanien kommt, ist man doch eher auf der Suche nach natürlichem Spektakel – was es hier ja auch zur Genüge kommt. Aber jeder Besucher sollte doch auch dieses Museum besuchen. Und wer nicht bis hierhin kommt, kann sich wenigstens mit der Website einen Eindruck verschaffen.

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One Response to “MONA”

  1. Dilu, já te falei que meu sonho é ser uma bruxa. Depois que ler o livro vai me entender. Bruxas são mulheres poderosas, portadoras de sabedoria, visão, sensibilidade e amorosidade, como disse nossa amiga Lili. Juntam tudo isto em seus caldeirões e saem por ai transformando, encantando e enfeitiçando todos a sua volta. Se temos esses poderes, vamos usá-los não é ! Bjs para todas que se enfeitiçaram com este post maravilhoso! Dilu e amigas borboletas, um bj em seus corações!!!!!!

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