Boll-ocks

Wenn ich hier jetzt behaupte, dass Uwe Boll einer der international erfolgreichsten deutschen Filmemacher der Gegenwart ist, wird der geneigte Leser wahrscheinlich verwirrt seinen Bildschirm anschauen und sich fragen: “Boll? Ist das nicht dieser Tischtennisspieler?” Nein, Uwe Boll spielt kein Tischtennis – zumindest nicht so erfolgreich wie sein Namensvetter Timo. Vielmehr macht er tatsächlich mehr oder wenig erfolgreich Filme und ist international wohl bekannter als Florian Henckel von Donnersmarck (“Das Leben der Anderen“) oder Oliver Hirschbiegel (“Der Untergang“), um nur zwei aktuelle Beispiele zu nennen. Seine “berühmtesten” Filme sind durchweg Adaptionen von Computerspielen wie “Alone in the Dark” oder “House of the Dead” und werden für gewöhnlich von Kritikern wie Fans der Spiele verrissen. Boll hingegen sieht sie als Meisterwerke an und so sorgte er 2005 bereits für Schlagzeilen, als er seine schärfsten Kritiker herausforderte, sich nicht hinter Worten zu verstecken und stattdessen mit ihm zu einem Boxkampf in den Ring zu steigen. Ob dies nun einfach arrogant, überheblich und gewalttätig war oder ein cleverer Marketinggag, sei anheimgestellt. Fest steht, dass er alle der Kämpfe in 2006 problemlos gewann und auf einmal deutlich sympathischer wurde, als er hinterher sagte (frei übersetzt): “Jetzt wo sie ein paar Schläge auf den Kopf bekommen haben, mögen sie meine Filme auf einmal.”

Dass dies alles aber mehr als nur ein verzweifelter Versuch ist, seine Filme besser zu vermarkten (darum ebenso wie um die Produktion derselben hat es auch immer wieder Diskussionen gegebene, aber dies gehört nicht hierher und kann problemlos im Internet nachgelesen werden) und dass Boll wirklich der Meinung ist, dass seine Filme Meilensteine der Filmgeschichte sind beweist er immer wieder. Zuletzt hat er für Aufsehen gesorgt, als er sich in einem Zeitungsinterview dazu äußerte, dass es eine Online-Petition gibt, die ihn auffordert, mit dem Filme machen aufzuhören. Er lachte lediglich über die damals 50.000 Unterzeichner und sagte, dass es mindestens eine Million bräuchte, bevor er aufhört.

Dies wiederum wurde von der Internet-Film-Gemeinschaft als Herausforderung aufgefasst und so hat die Petition (hier zu finden) inzwischen schon mehr als 180.000 Unterzeichner. Und eine Gegenpetition gibt es natürlich auch schon – und die lohnt es zumindest zu lesen.

Wie stehe ich jetzt zu der ganzen Sache? Eine gute und berechtigte Frage. Ich muss zugegeben, niemals einen Film von Uwe Boll gesehen zu haben und ich wage auch zu bezweifeln, dass sich das in naher Zukunft ändert. Das beste Mittel gegen solche Filme ist es doch immer noch, sie einfach nicht zu sehen. Warum also sollte Boll aufhören Filme zu machen? Schlechte Filme wird es immer geben – aber wer weiß wie viele andere Regisseure und Produzenten dabei noch kostenlos so unterhaltsame Videos (in Englisch und gewürzt mit Beleidigungen und Schimpfwörtern, also nichts für schwache Nerven) wie dieses produzieren?

Also gucke ich lieber weiter Filme wie die von Hirschbiegel oder Henckel von Donnersmarck, auch wenn Boll diese als sozialkritischen Unsinn bezeichnen würde, ignoriere die Filme von Boll und hänge schon mal meinen Sandsack auf…

Für eine gute Zusammenfassung der aktuellen “dramatischen” Ereignisse, Reaktionen darauf sowie ebenso der Geschäftspraktiken von Boll, kann ich übrigens den englisch-sprachigen Wikipedia Artikel zu Boll empfehlen.

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