Streik, Oscars, New Line und Co

Seit meinem letzten Eintrag über das bevorstehende Ende des Streiks der Drehbuchautoren sind ja doch einige Wochen ins Land gezogen. Der Grund dafür war simpel: Da ich meine journalistische Integrität als wichtiger betrachtet habe als meine schriftstellerische, habe ich ja auch während des Streiks eifrig geschrieben. Kaum war dieser beendet (an dem von mir schon angekündigten Tag) bin ich dann selber in den Streik getreten. Leider hat die AMPTP jedoch bis heute nicht auf meine (sehr moderaten) Forderungen reagiert und mein Streikposten vor dem Kodak Theater bei der gestrigen Oscar-Verleihung hat die Schauspieler auch nicht gestoppt. Wahrscheinlich weil er schon einige Stunden vor deren Auftauchen vom LAPD entfernt wurde. Und somit schreibe ich jetzt auch wieder – und hoffe, dass die Schauspieler, die in der SAG (Screen Actors Guild) vereinigt sind und deren Rahmenvertrag mit der AMPTP im Juni ausläuft, mich bei ihren Verhandlungen nicht vergessen. Denn auch wenn die Führung der SAG noch nicht mit der AMPTP spricht / sprechen will, läuft die PR-Maschine zur Verhinderung eines weiteren Streiks bereits auf Hochtouren. So haben beispielsweise einige der bekanntesten und beliebtesten Schauspieler der USA wie George Clooney und Tom Hanks die SAG schon aufgefordert, die Verhandlungen bald zu starten.

Gestern also war die Oscar-Verleihung – und da mein Versuch, sie zu bestreiken, leider verfrüht gescheitert ist, habe ich es mir natürlich dann doch angesehen. Was soll man dazu schon sagen: 4 Stunden feiert sich die Filmindustrie selber und man wartet als Zuschauer gespannt darauf, dass jemand mal endlich etwas wirklich Witziges sagt. Aber als relativer Oscar-Neuling sehe ich die Show eigentlich schon noch ganz gerne. Jon Stewart als Gastgeber war, wie auch schon 2006, lustig und souverän (auch wenn die meisten Kritiker das anders bewerten) und die meisten Gewinner – erwartete wie unerwartete – waren wohl auch gerechtfertigt. Die größte Überraschung war wohl die Auszeichnung Tilda Swintons als beste Nebendarstellerin, die sich unerwartet gegen Cate Blanchett und Amy Ryan durchsetzte. Auch interessant ist der Gewinn von drei (eher unbedeutenden) Auszeichnungen durch “The Bourne Ultimatum” – man wurde den Eindruck nie so ganz los, dass einige der Academy Mitglieder den Film gerne auch in wichtigeren Kategorien gesehen hätten. Die Gesamtliste der Gewinner kann man an vielen Stellen einsehen – in der Hoffnung dass wenigstens Amazon mich bezahlt, verlinke ich hierfür mal wieder zur IMDB.

Ein bedeutender Anteil der Oscar-Verleihung sind immer die Montagen, also die Zusammenschnitte von Filmszenen oder früheren Preisträgern. Wenn, bedingt durch den Autorenstreik, die Vorbereitungszeit dann noch etwas kürzer wird, spielen sie noch eine wichtigere Rolle. Auch diesmal fehlte nicht das Gedenken an diejenigen Hollywoodianer, die im letzten Jahr verstorben sind. Den Abschluss der Auflistung bildete dabei Heath Ledger. Als Ledger starb, hatte er gerade eine Drehpause von dem Film “The Imaginarium of Doctor Parnassus” – dem neuen Film von Terry Gilliam. Dieser dachte schon, dass er mal wieder ein Projekt unvollendet abbrechen müsste, aber jetzt hat sich doch noch ein Ersatz gefunden. Oder genauer gesagt gleich drei. Denn die Rolle von Ledger werden in dem Film jetzt Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell übernehmen – in den noch nicht gedrehten Szenen. Wie es funktionieren soll, wenn vier Schauspieler eine Figur spielen, wird sich zeigen, aber der bisherige Erfolg von “I’m not there” scheint darauf hinzudeuten, dass es durchaus möglich ist.

Derweil rückt das Ende von dem beliebten Studio New Line immer näher. Nachdem auch “Der Goldene Kompass” ziemlich schlecht gelaufen ist, deutete sich ja schon an, dass das Studio von Warner Bros. übernommen wird. Die Verträge der Geschäftsführer wurden nicht verlängert und auch wenn die Einigung mit Peter Jackson und die Ankündigung von zwei “Der kleine Hobbit” Filmen nochmal als Hoffnungsschimmer galt, ist spätestens seitdem die Nachfahren von JRR Tolkien New Line verklagt haben, da es nicht für die Rechte am “Herr der Ringe” bezahlt habe, wohl endgültig mit der Eigenständigkeit vorbei.

Um nicht ganz so traurig zu schließen: Bei der Verleihung der Independet Spirit Awards am Samstag hat “Juno” sich als der große Gewinner herausgestellt. Der Film ist jetzt schon in den USA der größte Independent Erfolg seit “My Big Fat Greek Wedding” und die Komödie mit der grandiosen Ellen Page in der Hauptrolle läuft am 20. März auch in Deutschland an.

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